Voss: Uuuund Action!

Voss: Uuuund Action!

Zu Gast in Norwegens Actionsport-Mekka!

Voss! Ja, der Name klingt gut. Spätestens, seit man Premium-Mineralwasser in schönen Glasflaschen kaufen kann. Wasser gibt es in und um Voss auch – hier liegt aber das Augenmerk mehr auf der damit verbundenen (möglichst halsbrecherischen) sportlichen Betätigung, als auf der persönlichen Erfrischung: Voss ist das Extremsport-Mekka des Nordens! Vermutlich jede verrückte Sportart lässt sich hier betreiben und dabei bleiben keine Elemente außen vor.

 

Hochseilgarten für Kinder

Dem Element Luft wird besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht: Voss ist der Hotspot zum Skydiven (oder auch Fallschirmspringen). Doch in luftige Höhe geht es für uns heute im Kletterpark: Ein Stückchen außerhalb von Voss und am „Money Drop Waterfall“ ist der VossActive Klatrepark!

Der Kletterpark

Es ist Lanis erster Besuch in einem Hochseilgarten, weshalb wir beide für das untere Level einchecken. Malu ist in dem Fall tatsächlich noch zu klein und so bilden sie und Mama heute die Bodencrew.
Ein junges Team rüstet uns mit Klettergurten und Helmen aus und weist uns in die Sicherungstechnik ein. Ein versehentliches Aushaken ist damit ausgeschlossen – nur am Anfang und am Ende des Parcours ist es möglich, sich vom Sicherungsseil zu lösen. Fehler sind ausgeschlossen und so kann man beruhigt den Nachwuchs alleine auf die Reise schicken.

Neben den „großen“ Rundkursen gibt es den „Mini Course“ mit insgesamt vier Seilstrecken, wovon zwei Strecken separat und speziell für kleinere Kinder geeignet sind. Ich tue mir unterdessen mit meiner Körpergröße recht schwer, aber so kann Lani mich zu ihrem Vergnügen ohne Probleme überholen.

Als sich Lani sicher fühlt, wechseln wir zu den beiden schwierigeren Seilstrecken des „Mini Course“, die auf halber Höhe installiert sind und eben nicht wie der „Main Course“ direkt unterhalb der Baumkronen verlaufen. Hier lassen sich perfekt unsere unterschiedlichen Körpergrößen vereinen: Lani reckt sich ein bisschen, ich ducke mich ein wenig und gemeinsam haben wir riesigen Spaß.

Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel lassen wir uns gerne vom Kletterpark (wohlgemerkt für alle Besucher kostenlos!) auf Tee, Kaffee und Kekse einladen.

 

Lani in luftiger Höhe
Blick auf den „Main Course“

Voss next level!

Aber Voss wäre nicht Voss, wenn es nicht noch ein Register mehr zu bieten hätte: Wir haben es geschafft, zwei der letzten freien Plätze für den Tag bei VossVind zu ergattern uns so dürfen wir (Indoor-)Skydiving ausprobieren – wie es sich für Voss gehört!

Bei VossVind Drift kann man im Windkanal als Neuling und im Wechsel mit Proiflyern das Skydiven testen oder trainieren. Willkommen ist in dem futuristisch anmutenden Gebäude jeder, wobei man nur ein Flugticket bekommen kann, wenn man mindestens fünf Jahre alt und nicht schwerer als 120 Kilogramm ist.

 

 

Ankommen, reingehen, anmelden, kurz warten. In der Zwischenzeit kann man es sich um den Glasszylinder herum auf einem der Sofas und Sitzsäcke gemütlich machen und sich bei den vorangehenden Fliegern anschauen, wie es zu funktionieren scheint.

Der Windkanal

Eine halbe Stunde vor dem „Boarding“ trommelt uns unser Instructor Bart zusammen und gibt uns einen Crashkurs über die richtige Haltung im Luftstrom. Im Anschluss daran geht auch schon die lustige Kostümparade los und wenige Zeit später trägt die komplette Truppe die modische Kombination aus blauem Overall, Helm, Ohrstöpseln und einer sogenannten Sprungbrille, mit der alle wie eine individuelle Interpretation von „Puck, die Stubenfliege“ aussehen.

Die Kleinen „Puck´s“

Abflug!

Es folgen letzte Instruktionen von Bart, dann geht die Tür auf. Mit dem Anlaufen der Turbine reduziert sich gleichzeitig die Möglichkeiten der Kommunikation auf Fuchteln und Anschreien. In Reih und Glied sitzen alle auf der Wartebank des Vorraumes und nach und nach lässt sich immer der Erste auf der Bank nach vorne in den Luftstrom fallen, als würde man sich der Länge nach aufs Bett werfen. Bart empfängt alle, korrigiert die Haltung mit leichtem Klopfen und Handzeichen. Nach unten schaut man durch ein Netz aus Stahlseilen in den Schacht und ein Luftleitblech, nach oben schauen die Anfänger zwar recht selten, aber hier gibt es kein Netz – nur ganz oben wieder ein Blech mit Schlitzen. Wer glaubt, man schaue direkt nach unten in einen Propeller, liegt falsch: die Luft wird in einer Art aufrechtstehendem Rechteck umgewälzt, die Turbinen selbst sind nicht sichtbar.

Lani ist vor mir an der Reihe und als wäre es das Normalste auf der Welt, fliegt sie quietschvergnügt durch den Luftstrom, während Bart sie stets festhält. Nach 90 Sekunden stellt Bart sie wieder in den Türrahmen und beide grinsen wie die Honigkuchenpferde.

Lani im Windkanal

Lani ist gänzlich glücklich und beeindruckt und will mir gleich alles erzählen, aber unser Instructor wartet bereits auf mich. Ich lasse mich ebenfalls in den Windkanal fallen und merke den Druck des Luftstroms, wie er gleichmäßig gegen meinen Körper drückt. Bart weist mich an, mein Kinn ein wenig zu heben, aber ich versuche es instinktiv wie der Elefant im Porzellanladen, werfe meinen Kopf in den Nacken und lande Sekundenbruchteile später bäuchlings sanft auf dem Stahlseilnetz.

Bart hebt mich auf und stabilisiert mich erneut im Wind. Mit „einem Bisschen“ habe ich weiterhin meine Probleme und so drifte ich ein wenig vor und zurück und hoch und runter und hin und wieder berühre ich abwechselnd mit Armen und/oder Beinen die Glasscheiben des Zylinders. Lani hatte ich im Vorfeld erklärt, dass das mit dem Windkanal genauso funktioniere wie mit dem Styroporball und der Pfeife, aber irgendwie ist das schwieriger als gedacht. Und schon sind auch meine 90 Sekunden des ersten Durchgangs vorüber – die Runde beginnt von vorne. Als ich wieder neben Lani sitze, ist sie immer noch am Strahlen und plappert mit stolz geschwellter Brust drauf los. Doch ich verstehe mit Ohrstöpseln, Turbine und Windgeräuschen nur die Hälfte.

Schrauben in der Luft

Die zweite Runde ist dann schon etwas gewagter: Wer es alleine schafft, kann ein wenig frei herumschweben. Leichteren Leuten aus der Gruppe bereitet Bart eine besondere Freude: Er greift sie am Rücken (der Overall hat Griffe!) und umklammert ein Bein und schon hebt er mit ihnen in einer Schraubenbewegung ab, um nach mehrmaligem Hoch und Runter wieder sicher zu landen.

Als Lani an der Reihe ist schaut mich Bart fragend an und zeigt – während Lani bereits an seiner anderen Hand durch den Windkanal segelt – mit dem Zeigefinger nach oben. Ich nicke, grinse und kurze Zeit später schrauben sich die beiden gemeinsam durch die Luft. Nach 90 Sekunden erhalte ich ein Kind zurück, was vor Stolz und Freude zu platzen droht. Das kleine strahlende Gesicht, dass hinter der viel zu großen Folienbrille klemmt hat die Schallgrenze zur nachhaltigen Erinnerung durchbrochen – jetzt ist alles egal.

Dass ich mich selbst offenbar gar nicht so schlecht angestellt habe und Bart deshalb mit mir keine Schraube gedreht hat, erfahre ich erst später durch Annika, die Barts Kollegen Espen gemeinsam mit Malu über die Schulter schauen durfte und so in den Genuss des Kommentars aus der Hand des Profis kommen konnte.

Lani pellen wir unterdess nur wider Willen aus dem Fluganzug: Würde es nach ihr gehen, könnte sie noch die nächsten Tage weiterfliegen. Aber vermutlich wird das für längere Zeit ein einmaliges Erlebnis bleiben. Lanis Frage, wann wir das nächste mal hier sein werden, beantwortet in diesem Fall Bob Dylan mit den auf dem Sockel des Windkanals verewigten Worten „The answer, my friend, is blowin’ in the wind“

Danke VossVind für Alles: Anne, Bart, Espen und alle anderen – ihr seid klasse! Weiter geht es zum Sognefjord!

Das etwas andere „Goodbye“
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