TraumReiseFähre: eine Kreuzfahrt durch die Norwegische Schärenlandschaft

TraumReiseFähre: eine Kreuzfahrt durch die Norwegische Schärenlandschaft

Bis zur letzten Sekunde hat Bergen tapfer durchgehalten, uns seine Schokoladenseite zu verheimlichen. Auch unseren letzten Versuch, ein paar Fotos ohne Regen zu schießen, hat das Wetter mit einer Portion Sprühregen erfolgreich vereitelt, weshalb wir unser Vorhaben auf den Einkauf von ein paar Kleinigkeiten reduziert haben.

 

Vor genau fünf Wochen und zwei Tagen sind wir 400 Kilometer von Bergen entfernt mit der Fähre angekommen und heute endet diese spannende Zeit für uns, in diesem wundervollen Land bereits. Andächtig stehen wir in Bergen am Fährterminal und warten auf die MS Stavangerfjord, die uns in achtzehneinhalb Stunden bis nach Hirtshals bringen soll. Eine Portion Wehmut können wir nicht leugnen, als wir in den Bauch der Fähre rollen und damit Norwegisches Festland hinter uns lassen.

 

Entspannt nach Dänemark

Im Unterschied zu unser Hinfahrt ist die Rückfahrt nicht nur länger, sondern auch wesentlich (ent-)spannender: wir haben eine Kabine! Bereits beim Check-In am Terminal haben wir mit unseren Reiseunterlagen die Bordkarten ausgehändigt bekommen, weshalb Lani mit ihrer Karte und wie von Geisterhand das Schloss der Kabinentür auf dem achten Deck entriegeln kann. Noch während Annika und ich unsere Habseligkeiten durch die Tür unseres kleinen Reichs bugsieren, kleben die Mädels bereits am Bullauge und beäugen ganz genau, was dort unten an der Kaimauer alles passiert.

Nur schwer bekommen wir die Beiden davon überzeugt, dass wir uns das Ablegemanöver vom Oberdeck aus anschauen sollten – wer hat schon runde Fenster mit solch einem Ausblick?

Von Bergen nach Stavanger

Wir müssen nur ein Deck höher und nach ganz hinten. Kaum sind wir auf dem Hubschrauberlandeplatz angekommen, setzt ein leises Grollen ein. Ganz behutsam entfernt sich das Schiff seitwärts vom Pier, bevor es langsam Fahrt aufnimmt. Wir passieren die Halbinsel Nordnes mit dem „Akvariet“ auf ihrer Spitze, dahinter taucht noch einmal Bryggen auf, um anschließend nach und nach kleiner zu werden. Mit der Stadt lassen wir offenbar auch das schlechte Wetter zurück, denn mit jedem Meter, den wir uns von Bergen entfernen wird es sonniger. Kaum sind wir unter der Askøybrua hindurch, werden wir mit strahlendem Sonnenschein konfrontiert.

Wir verlagern unseren Standort – unser Ziel ist das Sonnendeck auf dem Vorderschiff, wo wir – zu unserer Verwunderung – nach kurzer Zeit alleine sind. Windgeschützt hinter der allseitigen Verglasung genießen wir den Ausblick auf die Inseln und Häuschen, zwischen denen der stählerne Koloss samt uns hindurch gleitet. Zwischenzeitlich liegen wir allesamt sogar auf dem Fußboden umher und saugen jeden einzelnen Sonnenstrahl in uns auf.

MS Stavangerfjord: Auf dem Sonnendeck

Behänd zirkelt die Kreuzfahrt-Fähre zwischen den Schären hindurch, passiert die Insel Stord und den Mündungsbereich des Hardangerfjords und spätestens mit der Einfahrt in den Karmsund bei Haugesund fällt unser Urteil, dass diese Passage definitiv zu unseren Favoriten gehört. Zum einen ist es tatsächlich toll, ganz viele Wegpunkte unserer Reise auch noch einmal aus anderer Perspektive, nämlich vom Wasser aus zu sehen. Gerade die Geschichte von Avaldsnes ist nach der Überfahrt wesentlich verständlicher als zuvor.

Avaldsnes – der erste norwegische Königshof

 

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Kurz nachdem wir den Karmsund bei Skudeneshavn hinter uns gelassen haben bekommen wir die Nachricht, dass wir noch einmal kurz die Brücke besuchen dürfen und diesmal sogar auch einen Blick in den Maschinenraum werfen können.

Auf der Brücke herrscht bei solchem Kaiserwetter entsprechend entspannte Stimmung, während es im Maschinen wesentlich hektischer zugeht: alle vier Triebwerke des Schiffs laufen auf Hochtouren, um die wenigen Minuten Verspätung wieder aufzuholen.

Auffällig sauber ist es hier, tief unten im Bauch des Schiffes: es riecht nicht nach Öl, ferner sucht man Kohlen und Kessel natürlich ebenfalls umsonst. Gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff MS Bergensfjord verfügt die Stavangerfjord über ein alternatives und innovatives Antriebskonzept. Der Einsatz von verflüssigtem Erdgas als Treibstoff reduziert den Ausstoß von Schadstoffen auf ein absolutes Minimum, weshalb die beiden Schiffe mit zu den Saubersten weltweit zählen. Fernab von theoretischen Messwerten kann man so auch, ohne Dieseldunst in der Nase zu haben, länger auf dem Achterdeck verweilen.

MS Stavangerfjord – Im Maschinenraum

Jacob, der uns durch das Schiff begleitet, erklärt uns noch, dass wir während des Aufenthalts in Stavanger noch gleichzeitig Gas (LNG – Liquefied Natural Gas) bunkern werden. Aus Sicherheitsgründen werden die Außenbereiche auf der Fähre für die Dauer des Tankvorgangs gesperrt, aber Jacob lädt mich dazu ein, mit Ihm gemeinsam und kurz vor dem Ablegen die letzten Indizien der Betankung zu begutachten und wir verabreden uns für später.

Schlemmen an Bord

Doch erst einmal gehen wir Essen. Zeitgleich mit dem Anlegen des Schiffes in Stavanger betreten wir das bordeigene Buffetrestaurant. Bereits auf der Hinfahrt durften wir uns davon überzeugen, dass im „Commander Buffet“ das Wort „reichhaltig“ eine neue Dimension erreicht, doch bisher kennen wir nur das Frühstück. Das abendliche Buffet steht dem Ganzen in keiner Weise nach – vielmehr werden unsere Vorstellungen noch übertroffen. Es gibt eine bunte Salatbar, diverse kalte Speise, Fisch in allen Variationen und auch für die Kids ist schnell das passende Essen gefunden – Fleischbällchen, Pommes und Gemüse. Zum Nachtisch warten diverse Süßspeisen, Kuchen, Obstsalat, eine reichhaltige Käseplatte und sogar Softeis, auf uns.

 

Der Treibstoff der Zukunft

Während sich Annika mit den Kids bereits auf den Weg zurück zu unserer Kabine macht, um die Mädels zu duschen und anschließend in die Betten zu stecken, treffe ich mich noch einmal mit Jacob. Es ist kurz vor 21:00 Uhr, als wir unsere Köpfe über die Reling strecken. Der Tankvorgang wurde kurz zuvor beendet. Für die nächsten vier Tage reicht die gebunkerte Menge an verflüssigtem Erdgas, bis das Schiff erneut über den immer noch vereisten „Rüssel“ mit neuem Treibstoff versorgt werden muss.

Jacob erklärt mir, dass das Tankterminal mitsamt der vorgelagerten Aufbereitungsanlage erst vor wenigen Jahren in Betrieb genommen wurde – bis dahin wurden die Schiffe täglich durch je zwei Sattelzüge in Hirtshals betankt. Ein logistischer Wahnsinn, den man damals mit dem alternativen Antriebskonzept auf sich genommen hat, allerdings kann sich das rußfreie Ergebnis eindeutig sehen lassen!

 

Der frühe Vogel …

Als ich zu meinen Mädels in die Kabine komme, versuchen sich die Kleinen mit letzter Kraft gegen die aufsteigende Müdigkeit zu wehren, aber das leise und monotone Brummen der Schiffsmotoren gepaart mit leichtem Schaukeln befördert sie umgehend ins Land der Träume. Wir sitzen noch zusammen und lassen die vergangenen Wochen Revue passieren …

Die Nacht endet recht früh. Bereits vor dem Zu-Bett-gehen haben wir all unsere Sachen zusammengepackt, um unmittelbar nach dem Aufstehen das Frühstücksbuffet entern zu können. Entsprechend entspannt können wir das leckere Angebot an Speisen und Getränken genießen, bis wir gegen 07:30 Uhr im Hafen in Hirtshals ankommen.

Als eines der letzten Fahrzeuge verlassen wir satt und ausgeschlafen die Fähre und anschließen das Hafengelände. Der spannendste Teil der Reise geht hier zu Ende. Vor uns liegen noch fast exakt 1.000 Kilometer, bis wir wieder zu Hause sind. In zwölf Wochen werden wir zurückkehren und erneut mit einem Schiff von Fjord Line nach Norwegen übersetzen, doch werden wir dann die östlichen Landesteile besuchen. Norwegen – wir haben dich in unseren Herzen!

Wir verabschieden uns aber zunächst für eine Sommerpause in den heimischen Gefilden.

Bis dahin wünschen wir Euch viel Spaß beim „Nachreisen“ und in euren Ferien in Norwegen! die Kleinen Kaiser!

MS Stavangerfjord – Tschüss Norwegen
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