Von O(slo) bis O(lympia): Sommerliches Ostnorwegen

Von O(slo) bis O(lympia): Sommerliches Ostnorwegen

„Megafun“ – der Name ist Programm!

Wir lassen Oslo hinter uns und folgen der E6 in Richtung Nord-Osten Ostnorwegens. Doch wesentlich weiter als wenige Meter hinter die Stadtgrenze gelangen wir nicht. Unmittelbar dahinter – genaugenommen in Lørenskog – befindet sich seit 2017 im ehemaligen Druckhaus des „Dagbladet“, der drittgrößten Norwegischen Tageszeitung, ein Entertainmenttempel der besonderen Art.

Das „Megafun“ als (r)einen Indoor-Spielplatz zu betiteln wäre schlichtweg untertrieben. Neben Klettergerüsten, die sich auf bis zu fünf Etagen bis unter die Decke des alten Druckhauses erstrecken, findet man dort viele weitere Attraktionen. Es gibt hier eine Laser-Tag-Arena, ein „Lasermaze“ (Hindernisparcours aus Lichtschranken durch ein ägyptisches Pharaonengrab), ein 6D-Kino und ein (der zweite) Indoor-Skydiving Windtunnel – ein Potpourri aus adrenalingeladenen Varianten des Zeitvertreibs für Jung und Alt. Es muss ja nicht immer eine Möglichkeit sein, einen Regentag zu überbrücken. Sollte der elterliche Spieltrieb einmal nicht dem der Sprosse entsprechen, so können sich diese kulinarisch verwöhnen lassen, während sich die Zwerge austoben – eben Ferien in Norwegen. Die Ausrede, dass Mama und/oder Papa „noch arbeiten“ müssen, zählt hier nicht. Denn mit dem angegliederten Konferenzcenter gibt es mehr als eine Möglichkeit, die Bedürfnisse ganzer Familien abzudecken. Und es natürlich auch unvergessliche Geburtstagsfeiern organisiert.

Megafun – der Indoor-Spielplatz der besonderen Art

Nachdem wir jede Rutsche, jeden Tunnel und jedes Hindernis nicht nur einmal ausprobiert haben, findet sich sogar noch ein kleines Zeitfenster, in dem wir in den Windkanal dürfen. Nach dem „großen“ Windkanal in Voss, in dem wir im vergangenen Jahr zum ersten Mal Kontakt mit der realitätsnahen und doch bodenständigeren Version von Fallschirmspringen hatten, folgt nun ein neuer Versuch. Dieses Mal erklärt uns Daniel, der Mitglied der norwegischen Nationalmannschaft im Fallschirmspringen ist, ganz genau im Vorfeld, welche Körperbewegung welches Flugmanöver hervorruft. Annika und Malu beschränken sich erneut auf das Zusehen. Während sich Lani und Martin wiedereinmal ordentlich durchpusten lassen dürfen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, vom Luftstrom getragen zu werden. Doch es bedarf großer Konzentration und Körperspannung, um stabil und kontrolliert in der Mitte des gläsernen Zylinders zu bleiben. Daniel verrät uns im Nachhinein, dass selbst erfahrene Fallschirmspringer beim ersten Flug auch mal mit dem Gesicht von innen an der Scheibe kleben. Denn erst im Windkanal offenbart sich, wer sich mit welcher Präzision durch die Lüfte bewegt. Andersherum steht fest: Wer im Tunnel akkurat fliegen kann, der wird auch wenig Probleme haben, wenn er mit entsprechender Ausrüstung einmal ein Flugzeug vor der Landung verlässt …

Megafun – Skydiving

Leicht beseelt und mit einem riesigen Grinsen im Gesicht verlassen wir in den Abendstunden das Megafun und folgen dem Verlauf der E6 durch die Provinzen Akershus und Hedmark. Entlang des „Mjøsa“, Norwegens größtem See, erreichen wir etwa eine Stunde später Hamar. Hier erleben wir direkt am Ufer auf einem öffentlichen Wohnmobilstellplatz einen traumhaften Sonnenuntergang und anschließend die Nacht. Das nennen wir Urlaub in Norwegen.

Hamar Norwegen – Wohnmobil-Stellplatz

Der Domkirchenhügel

Den nächsten Tag beginnen wir mit einem Besuch im archäologischen Museum „Domkirkeodden“. Auf einen Hügel auf der Landzunge, die in den Mjøsa-See hineinragt, wurde im 16. Jahrhundert die Domkirche samt Bischofspalast errichtet. Heutzutage sind nur noch deren Ruinen zu besichtigen. Allerdings befinden sich die Reste der Domkirche geschützt unter dem spektakulären optischen Highlight des „Hamardomen“. Die imposante Konstruktion aus Stahl und Glas war eigentlich nur als Schutz der Ruinen vor der Erosion gedacht. Erst nach Fertigstellung im Jahr 1998 stellte man überraschenderweise fest, dass das Dach mit seinem Brückenschlag zur modernen Architektur neben dem Schutz, auch dem Innenraum eine einzigartige Akustik verliehen hat. Heutzutage finden so neben Gottesdiensten und Trauungen eine Reihe von Konzerten in diesem Inneren statt.

Die ehemalige Kathedrale bildete im Mittelalter mit den umliegenden Gebäuden die Stadt Hamarkaupangen. Einige der Gebäude (oder zumindest deren Reste) wurden im Zuge von Ausgrabungen freigelegt. Und teilweise wurden diese ebenfalls zum Schutz vor der Witterung mit neuen Gebäuden überdacht und in einem ethnologischen Freilichtmuseum zusammengefasst. Mitsamt den Kids tauchen wir in die regionale Geschichte und das Leben zwischen dem 16. und dem frühen 20. Jahrhundert ein. Mit zum Museum gehört ein Mittelaltergarten, ein Kräutergarten und eine (gesondert eingezäunte) Sammlung Gift- und Arzneipflanzen, die allesamt in liebevoller Kleinarbeit von einem Team von Gärtnern bis zum heutigen Tage kultiviert werden.

Domkirkeodden in Hamar Norwegen

Lillehammer – ein „olympisches Dorf“

Unsere Reise geht weiter gen Norden. Bei Moelv überqueren wir den Mjøsa, in dessen Mitte die Grenze zwischen den Provinzen Hedmark und Oppland verläuft. Kurze Zeit später erreichen wir unser Ziel für den nächsten Stopp: die Stadt Lillehammer, die gleichzeitig auch Verwaltungssitz der Fylke Oppland ist. Zusammen mit seiner namentlich größeren Schwester Hamar war “Klein-Hamar” (Berghang) Austragungsort der XVII. Olympischen Winterspiele im Jahr 1994, die der Stadt zu weltweiter Bekanntheit verhalfen.

Strategisch günstig liegt die Stadt am Nordufer des Sees und bildet das südöstliche Ende des Gudbrandsdalen, das als die Wiege des einzigartigen norwegischen Braunkäses gilt. Romantiker können in den Sommermonaten von hier aus die 117 Kilometer bis nach Eidvoll mit dem historischen Raddampfer „Skibladner“ von 1856 zurücklegen. Wer schneller voran kommen mag, kann neben dem Auto auch in einen der Züge der Dovrebanen einsteigen und wahlweise direkt nach Oslo oder Trondheim fahren.

Nicht nur das Olympische Komitee weiß um die Schneesicherheit in der Region und so ist Lillehammer auch im Winter eine sichere Partie in Sachen Wintersport und bei Touristen wie Einheimischen beliebt. Doch nun ist Ende Mai, es ist sommerlich warm und Schnee ist weit und breit nicht mehr zu sehen.

Wir steuern den Campingplatz „Lillehammer Camping“ an, der unmittelbar am Ufer des Mjøsa liegt. Der Platz hat sich in den letzten drei Jahren stark verändert: neue Hütten, neue Sanitäranlagen, eine Verbesserung der Infrastruktur und vieles mehr. Der Campingplatz verfügt über ca. 300 Stellplätze mit Stromanschluss sowie einen großen Zeltbereich, während sich die jüngere Generation über den großzügigen Spielplatz freut.

Was wir allerdings sehen können, ist die erste Regenwolke, seit unserer Ankunft in Norwegen. Dunkelgrau und bedrohlich schiebt sich das Wolkengebilde aus dem Gudbrandsdalen von Norden her auf den See hinaus – geradewegs auf uns und den Campingplatz zu. Doch ihr volles Potenzial entfaltet die Wolke nur am gegenüberliegenden Ufer und während man dort bestimmt nicht trockenen Fußes davonkommt, erreicht uns kein einziger Tropfen mehr – brav so! Dafür werden wir umso mehr mit einem surrealen Sonnenuntergang belohnt: Unter der Wolke taucht die Sonne noch einmal kurz hinter einem Berg hervor, bevor sie sich in ihren Feierabend verabschiedet: tieforange leuchtet sie durch den Regenschleier unter der Wolke hindurch und lässt diese vermeintlich glühen. Währenddessen gleitet die dunkle Wolke über unsere Köpfe hinweg, um sich kurze Zeit später aufzulösen und den Blick auf den blauen Abendhimmel freizugeben.

Die Geschichte des Skisports in Maihaugen erkunden – Lillehammer Norwegen

Maihaugen – eines der größten und ältesten Freilichtmuseen Europas

Es ist der zwölfte Tag in Folge, der mit Sonnenschein beginnt. Für Norwegen genauso untypisch, wie die dazugehörigen Temperaturen: das Thermometer kratzt energisch an der 30°C-Marke. Trotzdem hält uns das nicht von einem Besuch in einem der größten Freilichtmuseen der Umgebung ab: „Maihaugen“ mit dem Olympiamuseum.

Aus dem, was einst als private Sammlung von historischen Gebäuden auf dem Grundstück eines Zahnarztes im Jahr 1887 begann, entstand nach Bereitstellung des heutigen Geländes durch die Stadt Lillehammer das kulturhistorische Museum. Nach dem Vorbild von „Skansen“ in Stockholm macht er es sich zur Aufgabe, alte Gebäude vor dem Verfall zu bewahren. Heute befinden sich rund 200 Gebäude aus der Stadt, dem Umland und dem Gudbrandsdalen samt alter Werkstätten und Einrichtungen in der Sammlung und haben ausreichend Potenzial, mehr als nur einen Tag mit Attraktionen zu füllen. In einer gesonderten Ausstellung im Hauptgebäude kann man anschaulich und vergleichsweise schnell durch die Geschichte Norwegens reisen: der Einstieg erfolgt in der Eiszeit, als das Eis und seinem Panzer Furchen in die darunterliegenden Gesteinsschichten schürfte und schlussendlich das zerklüftete Land, wie wir es heute kennen zeichnete. Über die Steinzeit und das düstere Mittelalter hinweg wird die Entwicklung von „Europas Armenhaus“ zu einem der wohlhabendsten Länder dieser Erde beleuchtet – inklusive aller wirtschaftlichen Probleme und politischen Querelen um Dänische und Schwedische Vorherrschaften bis zur heutigen Unabhängigkeit.

Seit 2016 findet im Untergeschoss des Hauptgebäudes nach seinem Umzug aus der „Håkons Hall“ das Norwegische Olympische Museum sein neues Domizil und lässt uns einerseits in die Geschichte der Olympischen Spiele von der Antike bis heute und den Aufwand um die festlichen Winterspiele im beschaulichen Lillehammer in 1994 eintauchen.

Neben unzähligen Bildern und Videos, finden sich hier auch originale Medaillen, Fackeln, Bekleidung und Sportgeräte in der Ausstellung.

Der interaktive Biathlon-Simulator stellt für die Kids ein Highlight dar und besonders Lani freut sich, nun das einmal ausprobieren zu dürfen, was sie noch vor wenigen Tagen beim Training auf dem Holmenkollen in Oslo neugierig bestaunt hat.

 

Es liegt „Olympia“ in der Luft …

…, doch Lillehammer hat mehr zu bieten, als nur ein Museum. Neben den im Museum verewigten Reliquien aus dem vergangenen Spitzensportevent sind deren Sportstätten nach wie vor beliebt und in Schuss gehalten. Schuss ist auch das Stichwort: Wer schon immer einmal einen Eiskanal befahren wollte, der kann im Sommer mit einem sogenannten Radbob mit über 100 km/h die Olympische Bob- und Rodelschlittenbahn hinunter jagen. Aber Achtung: Die Altersgrenze liegt bei 10 bzw. 12 Jahren, weshalb wir diesen Spaß (dieses Mal) auslassen. Rund um den Olympiapark werden neben einem Besuch der imposanten Skisprungschanze und der Olympischen Fackel auch weitere Aktivitäten in der schneefreien Saison angeboten.

Nicht zuletzt weiß die Stadt mit ihrer Natur zu Punkten. Einen Geheimtipp für ein Naturerlebnis für und mit Kindern gibt uns Geir, der Betreiber des Campingplatzes Lillehammer Camping. Eine Wanderung zum historischen Helgafossen ist dank des flachen Geländes und einer gesamten Wegstrecke von nur 4 Kilometern auch für kleine Füsschen zu meistern – eine Erfrischung ist inklusive …

1755