Nordjytland und die Überfahrt

Nordjytland und die Überfahrt

Norwegen – exakt 1.000 Kilmoter Straße und eine Fährüberfahrt trennen unsere Heimat von den ersten, auf dem Wasserweg zu erreichenden Zipfeln des nordeuropäischen Königreiches. Fünf Tage Vorlauf haben wir eingeplant, bis unsere Fähre in Hirtshals (Norddänemark) ablegt. Zwei Tage Autobahn, ausreichend Puffer für alle Eventualitäten und noch zwei weitere Tage Zeit, uns in Nordjytland auf „hyggelig“ einzustimmen: kleine Fischerorte, Dünen, Strände, Sonne und nordische Gelassenheit.

Ankunft in Tornby

Wenige Meter vor den Toren der Hafenstadt Hirtshals liegt – fast verträumt – das kleine Örtchen Tornby. Hier finden wir (erneut) auf dem idyllischen Campingplatz von Tove und Morten – dem „Tornby Strand Camping“ – unsere Bleibe für zwei Nächte.

Im letzten Jahr waren wir schon einmal bei den Beiden herzlich aufgenommen worden, doch kamen wir damals erst spät am Abend und unmittelbar vor unserer Überfahrt an. Neben spät und fast-dunkel war es auch kalt und nebelig. Kurzum: Nordjytland hatte keine Möglichkeit, sich uns in sprichwörtlich in „besserem Licht“ präsentieren zu können.

Wir versprachen Tove und Morten wieder zu kommen und dann auch mit ein wenig mehr Zeit …

Die beiden erinnerten sich noch gut an unseren letzten Besuch vor einem Jahr und beide strahlen in ihrer Rezeption mit den sonnigen Wetterprognosen für den morgigen Tag um die Wette.

Tornby Strand Camping

Ausflug nach Hirtshals

Am nächsten morgen ist für die Kinder das wichtigste Ziel der riesige Spielplatz in der Mitte des Campingplatzes. Die für Skandinaviens Spielplätze – offensichtlich zum guten Ton gehörenden – Hüpfkissen leuchten bereits förmlich zwischen den weitläufig verteilt stehenden Campingfahrzeugen hindurch. Zumindest üben diese Dinger eine magische Anziehungskraft auf unsere Kids aus. Toll ist hier, dass es für große und kleine Kinder gleichermaßen eine wirklich große Auswahl an Spielgeräten gibt. Für den Abend hat Lani aber einen anderen Plan ins Auge gefasst, denn es gibt hier sogar ein kleines Schwimmbad (im Sommer auch mit Außenbecken).

Während unsere Mädels über den Spiellplatz toben, freuen wir uns über eine Reihe Spülbecken in Sichtweite zum Spielplatz.

Nachdem die Kleinen primär leergetobt und die Großen mit den alltäglichen Aufgaben rund um das rollenden Haushalt fertig sind, steuert Oscar samt Passagieren zu einem Ausflug gen Hirtshals. In den letzten Jahren haben wir den Hafen und die Altstadt nur vom Deck der Fähre aus gesehen. Das muss geändert werden! Hirtshals, welches seinen heutigen Namen erst im 16. Jahrhundert von seefahrenden Holländern erhielt, hieß bis dato übrigens Lilleheden, benannt nach dem Hof, aus dem später die Siedlung entstand. Denn sie waren der Auffassung, dass die runden Klippen um den heutigen Leuchtturm dem Hals eines Hirsches ähnlich sähen.

Von der Westmole aus schauen wir begeistert der HSC Fjord Cat – der Highspeed-Katamaranfähre von Fjord Line beim Auslaufen aus dem Hafen zu. Was noch innerhalb des Hafenbeckens ein anmutiges Dahingleiten ist, entwickelt sich nur wenige Meter später zum tosenden Inferno. Und hinter zwei haushohen weißen Wellenbergen verschwindet das imposante rote Schiff auf dem Skagerrak in Richtung Kristiansand.

HSC Fjord Cat beim Auslaufen in Hirtshals

Autos am Strand?

Ein paar Vorab-Grüße nimmt es von uns noch mit in Richtung Norwegen. Aber nun lockt uns die Sonne zurück nach Tornby an den Strand – auch Oscar! Was in Deutschland undenkbar oder gerade noch im Ansatz aus St. Peter-Ording bekannt ist, ist hier nahezu Usus: mit dem Auto AUF den Strand fahren – für die Dänen nichts besonderes, für uns schon.

Unser Wohnmobil steht etwa 30 Meter von der Wasserlinie entfernt auf bretthartem Sand. Während wir mit den Kindern im Sand spielen, über die Dünen tollen, ein paar Fotos knipsen, um dann noch ein Eis zu schlecken, bevor wir wieder mit der untergehenden Sonne die Schranke des Campingplatzes passieren. Nach dem Abendessen, hüpfen noch einmal schnell allesamt durchs Familienbadezimmer, bevor es (ohne Salzkruste) in die Kojen geht.

Am Tornby Strand mit Oscar

Wir stechen in See

Morgens klingelt unser Wecker schon früh. Von Tove und Morten haben wir uns bereits gestern Abend verabschiedet. Die Zugangskarte werfen wir unkompliziert nach unserer Ausfahrt in den Briefkasten.

In nur wenigen Minuten sind wir vom Campingplatz bis zum Check-In ans Fährterminal gerollt. Wir beobachten durch den Zaun das Anlegen und Entladen der MS Bergensfjord, bevor auch wir an der Reihe sind, mit Oscar in den Bauch der Fähre einzufahren.

Schnell und unkompliziert ist das Schiff mit Nordreisenden aller Art gefüllt. Kaum haben wir das Fahrzeugdeck verlassen, steuern wir – wie immer – das Hinterdeck auf Etage 9 an, um die Hafenausfahrt von hier oben aus betrachten zu können. Das im letzten Jahr auf der Rückfahrt von Bergen, lieben gelernte Vorderdeck ist über die Winterzeit einer Reihe nagelneuen Kabinen gewichen. Doch das werden wir auf dem Heimweg genauer unter die Lupe nehmen.

Aus den vergangenen Überfahrten wissen wir, dass das Frühstück im „Commander Buffet“ eine große Auswahl an Köstlichkeiten bereit hält und es auch oder gerade für Familien mit Kindern wirklich zu empfehlen ist. Der beste Auftakt für einen Urlaub in Norwegen. Für Erwachsene kostet es 18 Euro, Kinder von 4-11 zahlen die Hälfte und alle jüngeren sind frei. Kinderhochstühle sind in einer großen Stückzahl vorhanden. Wir bekommen einen Tisch zugewiesen und schwärmen anschließend aus, uns mit Leckereien einzudecken: verschiedene Sorten Brot und Brötchen, eine Vielzahl an Käse und Wurst, Marmeladen, sowie warmer Speisen wie Rührei, Waffeln, Pfannkuchen, English Breakfast, Würstchen und Co., Frisches Obst, diverse Müslis und auch für die „Sonderfälle“ ist eine gute Auswahl dabei. Vegan, glutenfrei, laktosefrei, Reismilch, Mandelmilch etc. gehören an Bord zum Standard-Repertoire.

Eineinhalb Stunden später sind wir (sehr) gut gestärkt. Bevor wir uns aufgrund von strahlendem Sonnenschein und fast-Windstille wieder nach draußen verkrümeln, stoppen wir im verglasten Kinderspielbereich, der mit einer kleinen Kletterwand, Rutsche und Bällebad die Zeit vertreibt. Es gäbe noch die Option einer Schnitzeljagd übers Schiff, aber das heben wir uns für den Heimweg auf, da haben wir ja 18 Stunden Zeit. Jetzt lassen wir uns die leichte Brise um die Nasen wehen und suchen uns einen ruhigen Platz an Deck. Bei anderen Schiffen würde man aufgrund von Abgasen und Gestank früher oder später das Weite suchen, aber dank der alternativen Erdgas-Antriebe der beiden Schwesterschiffe MS Bergensfjord und die MS Stavangerfjord kann nicht nur die Umwelt tief durchatmen.

Die Sonne wärmt uns durch einen leichten Wolkenschleier hindurch. Doch auch dieser löst sich just in dem Moment auf, in dem wir das Festland erspähen. Eine Hafeneinfahrt in Langesund bei der es nicht kalt und nass war, blieb uns bisher vergönnt.

Blick vom Heck der MS Bergensfjord

Die letzten Meter der Bergensfjord verbringen wir bereits wieder – bereit zur Ausfahrt – im Bauch des Schiffes und auf unseren Plätzen in Oscar. Zügig rollt die Blechkolonne an Land. Zum ersten Mal entscheiden wir uns, noch einen Moment in Langesund zu verweilen. Wir fahren zwischen den kleinen alten Fischerhäuschen der Altstadt hindurch bis zu einem Parkplatz unmittelbar an der Kaimauer. Von dort aus haben wir einen Blick auf das Fjord Line-Schiff. Es beginnt das Auslaufen mit einer Kehrtwende und in Anbetracht des schmalen Sunds einem Ritt durch das ominöse Nadelör gleicht.

Mit dem Verschwinden des Schiffes machen auch wir uns auf unsere Reise: Ab in die Telemark und nach Porsgrunn – unsere erste Station.

 

(Geheim-) Tipps für einen Zwischenstopp in Nordjütland:

Wer vor oder nach seinem Norwegenaufenthalt noch ein paar Tage in diesem wunderschönen Landstrich verbringen mag, kann sich nachfolgende Tipps zu Herzen nehmen. Uns haben vor allem die Tage rund um die Sommersonnenwende (21.06.) und das Fest „Sankthans“ (23.06.) hier besonders gut gefallen. Während man in ganz Skandinavien in keiner Weise die Sommersonnenwende – wie mancherorts in Deutschland – feiert, so konzentrieren sich Feierlichkeiten auf den Johannistag bzw. die Johannisnacht (23. auf 24. Juni). In Nordjytland werden große Feuer – meist an den Stränden – entzündet, wobei Stockbrot, Grillpølse, Marshmallows und Popcorn obligatorisch einher gehen. Aber auch sonst hat diese Region einiges zu bieten. Ein Ausflug zu den beiden Wanderdünen und dem versandeten Leuchturm „Rubjerg Knude“ sind ebenso ein Muss, wie ein Bummel durch Skagen mit all seinen kleinen Geschäften und einen Sonnenuntergang im alten Stadtteil „Gammel Skagen“ an der Nordseeseite. Grenen liegt noch nördlich von Skagen und bildet das letzte Stückchen Festland, an dessen Zipfel man mit einem Bein im Skagerrak und dem anderen im Kattegat stehen kann (Nord- und Ostsee). Das Örtchen Løkken ist ein Besuch wert – am Besten mit einem Softeis in der Hand. Für Südseeflair ist der auf der Ostseeseite gelegene Palmenstrand von Frederikshavn zu empfehlen.

Bei schlechtem Wetter ist ein Besuch im „Nordsoen Oceanarium“ in Hirtshals ein guter Tipp und für heiße Sommertage bietet das Fårup Sommerland als einer der größten Freizeitpark Dänemarks mehr als nur eine nasse Abkühlung …

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