Mission Elch

Mission Elch

Teil 1: Der Elgtårnet

Unsere Route führt uns nun weiter nach Norden. Doch bevor wir das Gudbrandsdalen weiter erkunden, fahren wir noch auf einen Abstecher in das Seitental Espedalen. Es ist ein Wandergebiet. Neben den etwa 30 Einwohnern des Tals sieht man vereinzelt ein paar Wochenendhäuschen zwischen den Wipfeln hindurch ragen. Es sind mehrheitlich Landwirte, die hier dauerhaft wohnen und das Tal am Leben halten und unter anderem Wanderlokale betreiben. So zum Beispiel auch die Ruten Fjellstue. Berit und Arthur begrüßen uns auf Ihrem Hof und besitzen etwas, was wir vorher noch nicht gesehen haben. Im Tal, etwa einen Kilometer unterhalb ihres Hofes, der am Hang liegt, verläuft eine Wanderrute entlang des Flusses Espe, auf der die „Könige der Wälder“ gerne einmal des Nachts flanieren: Elche! Das Ehepaar will seinen Besuchern die Möglichkeit geben, die Tiere zu beobachten, ohne sie zu stören. Aus dieser Idee entstand der Elgtårnet – der „Elchturm“. Nach dem Entwurf eines Architekturbüros aus Lillehammer errichtete die ortsansässige Zimmerei einen Turm aus Holz und Glas. Sie schafften so eine der ausgefallensten Übernachtungsmöglichkeiten der Region. Besucher können das dreistöckige – gleichermaßen exklusive wie puristische – Objekt mieten. Und so, nicht ganz fernab der Zivilisation, das Geschehen im Wald hautnah erleben.

Unter dem Turm lagert Brennholz. Im ersten Stock findet sich ein Schlafzimmer. Es schafft mit sechs Pritschen und Luftmatratzen die Möglichkeit, direkt aus dem Schlafsack das nächtliche Geschehen zu beobachten. Darüber befindet sich eine Art Wohnstube. Mit Bolleröfchen, Sitzmöglichkeiten und Tischen lässt sich gleichermaßen ein geselliger Abend verbringen, wie auch einfach aus dem Fenster träumen. Ganz oben im dritten Stockwerk ist die Dachterrasse mit (fast) perfektem Rundumblick. Der Blick nach Nordosten ist demjenigen gegönnt, der gerade das stille Örtchen benutzt, das ebenfalls hier oben ist. Da kann die Sitzung auch mal – zurecht – länger dauern …

Der 3-stöckige Elchturm in Espedalen, Norwegen

Auf geht es zum Elchturm

Schlafsäcke dürfen wir uns von den Eigentümern leihen und schon sind wir auf dem Weg den Hang hinunter, während wir Wohnmobil Oscar eine Nacht Urlaub von seinen Bewohner gönnen. Etwa 30 Minuten benötigen wir mit den Kindern, bis wir über den Trampelpfad in der Dämmerung am Fuße des Turmes ankommen. Mit dem Schlüssel und der Beschreibung der Eigentümer ist das Quartier schnell einsatzbereit. Bevor wir beginnen, in der kleinen Feuerstelle ein Lagerfeuer zu entzünden und ganz romantisch über den tanzenden Flammen Würstchen auf dem Stock grillen.

Bis tief in die Nacht hinein genießen wir die Aussicht und lauschen dem Rauschen des kleinen Flusses, bis wir in den Schlafsäcken ins Land der Träume abdriften.

Einen Elch haben wir leider – mit Ausnahme der lustigen Garderobe – nicht gesehen. Einzig ein Fuchs hat eine Runde um die Stelzen des Turmes gedreht. Vielleicht haben die Elche aber auch gewartet, bis keiner mehr zuschaut. Wer weiß, wer weiß …

Teil II: Dekoration der Superlative

Am nächsten Morgen queren wir nördlich von Espedalen nach Osten ins benachbarte Gudbrandsdalen. Es ist nicht nur die Heimat des einzigartigen und landestypischen Brunost (dt.: Braunkäse), der ursprünglich aus einem Versehen entstand. Zu lange kochte die junge Sennerin die Molke, die daraufhin zu karamellisieren begann. Heute gehört der für Fremde untypisch süßlich schmeckende Käse zur nationalen Identität und wird gleichermaßen auf der Scheibe Brot wie auch auf der süßen Waffel gegessen. Was den Wenigsten bekannt sein dürfte: Der Käsehobel ist eine ebenso norwegische Erfindung und dementsprechend weit verbreitet. Meist ist er nicht weit entfernt, wenn irgendwo auf dem Tisch ein Klotz Karamellkäse auftaucht.

Uns ist zu Ohren gekommen, dass sich im Gudbrandsdalen auch der weltgrößte Käsehobel verstecken soll. Die Spuren führen uns nach Ringebu. Doch Genaues ist nicht bekannt. Nach einer falschen Fährte und einem Aufruhr in der lokalen Tankstelle, in der unsere Frage, wo das gute Stück wohl zu finden sei, neben dem Tankstellenpersonal gleich noch vier Kunden beschäftigt, finden wir ihn: #verdensstørsteostehøvel

Der weltgrößte Käsehobel in Norwegen

Trotz vorangeschrittener Uhrzeit haben wir noch eine weitere Mission. Nachdem es in der vergangenen Nacht nicht geklappt hat, einen Elch zu sichten, wollen wir das nachholen. Es gibt zwei Möglichkeiten. Zum Einen befindet sich in der Gemeinde Stor-Elvdal (etwa eine Autostunde vom Käsehobel entfernt) der fast schon berühmte silberne Riesenelch „Storelgen“ und zum Anderen haben wir den Tipp erhalten, dass sich in den Abendstunden an der E6 zwischen Dombås und Oppdal mit großer Wahrscheinlichkeit Elche blicken lassen. Die Entscheidung, welchen Elch wir (be)suchen wollen, überlassen wir den Kindern. Einstimmig siegt der lebendige Elch vor seinem mutierten Bildnis in Chrom.

 

Teil III: Elch in „echt“!

Es ist Abend und verhältnismäßig wenig Verkehr auf der E6. Nach einer traumhaften und fast einsamen Fahrt durch das Gudbrandsdalen halten wir oberhalb von Dombås auf dem Dovrefjell an einer kleinen Haltebucht abseits der Straße. Die Raubtierfütterung findet zunächst im Wohnmobil statt. Bevor wir noch einmal mit unserem Gefährt zur inoffiziellen „Elchsafari“ ein Stückchen weiter nach Norden fahren. Es ist inmitten in der Mittsommernacht – folglich ist es gar nicht einmal so dunkel – als wir nach wenigen hundert Metern einen jungen Elch am linken Straßenrand sehen. Dieser lässt sich von uns in keiner Weise stören, während er genüsslich an einer Reihe von kleinen Birken kaut. Andächtig starren die Kinder aus dem Fenster, der Elch starrt zurück. Für welche Seite es wohl skurriler aussehen muss, können wir uns nur ausmalen. Mit einem Lachen fahren wir unsere Übernachtungsmöglichkeit an und genießen noch ein wenig die Stille und die Aussicht über die schier endlose Weite des Dovrefjell.

Ein echter Elch im Dovrefjell Norwegen

Gleichzeitig markierte dies den nördlichsten Punkt auf unserer diesjährigen Reise. Wer weiter in Richtung der Polarregion vordringen möchte, befindet sich bereits auf dem richtigen Weg. Denn die E6 trägt hier bereits den Namen „Trondheimsvegen“, da man auch nur noch knapp 180 Kilometer von Trondheim entfernt ist.

Kehrtwende in den Fjell

Wir kehren an diesem Punkt um und setzen am nächsten Tag unsere Route nach einem ausgedehnten Frühstück im Fjell in Richtung Westküste fort. In Dombås bietet sich noch einmal die Möglichkeit, über die E136 in das schöne Ålesund zu gelangen. Doch wir folgen der E6 noch ein Stück weiter gen Süden und zurück bis nach Otta, bis wir dort auf die Rv15 und kurz hinter Vågåmo auf die Rv51 abbiegen. Ab hier geht es vorrangig eins: bergauf! Nur eine Handvoll Menschen und Fahrzeuge treffen wir auf unserer Fahrt. Nach wenigen Kilometern sind wir im beschaulichen Randsverk und treffen auf dem gleichnamigen Campingplatz „Randsverk Camping“ ein. Peter empfängt uns herzlich in seiner Rezeption. Diese darüberhinaus eine Cafeteria und ein kleiner aber gut sortierter Supermarkt ist. Wir freuen uns darauf, hier ein paar Tage in diesem naturnahen Wander- und Mountainbike-Eldorado zu verbringen …

 

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