Surf’s Up! Zu Besuch im Lapoint Surfcamp Hoddevik

Surf’s Up! Zu Besuch im Lapoint Surfcamp Hoddevik

Unser nächstes Ziel ist in Luftlinie nur 10 Kilometer vom Hakallegarden entfernt. Da Oscar, unser Wohnmobil, jedoch nicht schwimmen kann – was auch besser so ist – müssen wir die Straße nehmen und die führt einmal komplett um den Fjord herum. 70 Kilometer und knapp drei (!) Stunden später können wir von der einzigen Zufahrtsstraße einen ersten Blick auf Hoddevik werfen, das vor uns im Talkessel liegt. Während das Dorf an drei Seiten von hohen Bergen umringt ist, genießt man hier gen Nordwesten freie Sicht auf das offene Meer.

Den Übergang zwischen Land und Meer bildet ein Strand, wie er im Buche steht: Über die gesamte Breite der Bucht verteilt sich feinster Sand und lässt das Wasser türkis leuchten, wie man es in Norwegen – wenn überhaupt – von Bildern der Lofoten kennt. Bis dorthin sind es allerdings noch weit über tausend Kilometer und eine Reise mit Kindern dorthin ist nur bedingt zu empfehlen, beziehungsweise benötigt viel Zeit und Sitzfleisch.

Einzigartiger Sandstrand bei Hoddevik, Norwegen

Surfen am Nordfjord?

Landschaftlich überzeugt uns die Region um den Ytre (äußeren) Nordfjord, zu dessen Mündungsbereich die Halbinsel Stadtlandet zählt, auf der wir uns befinden. Gleichzeitig ist es der westlichste Festlandzipfel Norwegens und das Westkap ist nur wenige Kilometer (wohlgemerkt ist wieder einmal die Entfernung in Luftlinie gemeint) entfernt.

Würde man dieses Idyll mit dem Wort „beschaulich“ beschreiben, wäre es fast übertrieben. Eine Handvoll Häuser verteilt sich entlang einer einzigen Straße, die durch das Dorf führt. Das ist allerdings nur solange der Fall, bis am Horizont Wellen auftauchen, denn dann verschwinden Surfboards aus allen Vorgärten, Autos mit Brettern auf dem Dach rollen die Serpentinen ins Tal hinab und allesamt finden sie sich samt Besatzung in der Dünung am Strand wieder. Denn Hoddevik gehört laut dem „Guardian“ mit zu den zehn besten Surfspots weltweit. Nach unserem Dafürhalten gehört Wellenreiten zu den Dingen, die man am Wenigsten erwartet, wenn man an Norwegen denkt.

Mit der Idee, endlich einmal Surfen zu lernen, streiche ich einen Punkt von meiner „Bucketlist“. Die Frage, ob Lani ebenfalls Lust hat, es auszuprobieren, brauche ich nicht zu Ende formulieren. Zwei funkelnde Augen strahlen uns an und antworten nur „Cool!“…

 

Ankunft im Camp

Wir checken bei Lapoint ein, die weltweit mehrere Surfcamps betreiben. Eins davon ist hier. Wir dürfen Oscar im Vorgarten parken und werden herzlich von Theis und seinem Team empfangen.

Nach einer lustigen Vorstellungsrunde verabreden wir uns für 14:00 Uhr. Dann sollen laut Vorhersage ein paar nette Wellen auf den Strand laufen, die das Surfen überhaupt erst möglich machen. Lani ist schon ganz aufgeregt – ich kann meine kindliche Vorfreude allerdings auch nicht leugnen.

 

Es geht los …

Pünktlich treffen wir um 14:00 Uhr auf Eivind, unseren Coach alias „a Norwegian Gentleman who will teach you how to surf“, wie Theis seinen Kollegen im Vorfeld beschrieben hat. Der heutige Dresscode lautet „Gummi“: Wenige Zeit später schauen nur noch unsere Köpfe aus den Neoprenanzügen heraus. Auch Hände und Füße verstecken sich hinter Neopren – tropische Temperaturen kann und will man in Norwegen auch nicht erwarten.

Zu Fuß watscheln wir die Straße hinab in Richtung Meer. In einer ehemaligen Scheune wohnen die Boards. Lani bekommt pauschal das kürzeste Board – zu Ihrer Enttäuschung ist das, mit den „pinken Hawaiiblümchen“, leider zu groß für sie.

Lani und ihr Wunsch-Board

Für mich und die relativ kleinen Wellen gibt es ein dementsprechend größeres Board. Am Strand angekommen starten wir mit ein bisschen Theorie. Lani lernt, wie sie ein „Helmchen“ macht und sich vor der Finne schützen kann, sollte sie vom Board plumpsen. Eivind erklärt uns grob die Bewegungsabläufe und dann probieren wir das Ganze auch schon aus. Das Wasser ist flach und glasklar. Und im Wetsuit ist das Ganze auch noch wider Erwarten angenehm warm. Lani darf auf ihrem Board liegen, während Eivind sie behutsam durch die leichte Brandung auf das Meer hinaus schiebt um sie dann sanft in die Welle zu schubsen. Wie eine Wilde paddelt Lani drauf los und hört zu Beginn auch nicht damit auf, als sie schon lange wieder samt Board auf Grund gelaufen ist.

Lani in den Wellen

Zwischendurch gibt mir Eivind immer wieder Tipps, was ich besser machen könnte und ich versuche das umzusetzen. Es macht in jedem Fall unfassbar viel Spaß. Auch Lani hat wieder einmal ihren weithin sichtbaren und unverkennbaren Ausdruck im Gesicht, demzufolge sie vor Stolz zu platzen droht. Wie lange wir im Wasser sind, kann ich noch nicht einmal vage abschätzen – es fühlt sich in jedem Fall alles zeitlos an. Eivind schlägt eine kurze Pause vor: Es folgt die nächste Lektion für mich und eine Änderung für Lani: Während ich den Pop Up (das Aufrichten auf dem Board) üben soll, spielt Eivind für Lani „Wellentaxi“ und so darf sie auf der Spitze seines Boards liegen, während er sie übers Wasser chauffiert.

Wir Wellenreiter im Nordfjord

Meditation im Meer

Annika und Malu sind am Strand, buddeln im Sand und schauen uns zu. Zum Unglück für die beiden beginnt es zwischenzeitlich zu Regnen. Und während ich auf meinem Board inmitten der Bucht so vor mich hin treibe und auf ein adäquates Wellenset warte, dass mich wieder zurück zum Strand befördern kann, stelle ich fest, dass ich mich gerade das erste Mal in meinem Leben über Regen freue.
Es ist fast ganz still – einzig das Rauschen der Brandung ist leise vom Strand her zu hören, während um mich herum die einzelnen Regentropfen mit einem kleinen flüsterleisen Platschen auf der Wasseroberfläche auftreffen. Dass Regen etwas Romantisches in sich birgt, hielt ich bisweilen immer für eine Erfindung der Textilindustrie. Aber vermutlich würde mein Urteil auch anders aussehen, wäre ich nicht halsabwärts in mein Isoliermäntelchen gehüllt.

Stolze Wellenreiter in Norwegen

Nach etwa zwei Stunden nähern wir uns dem Ende unseres Schnupperkurses: Lani ist es derweil doch zu kalt geworden und auch ich muss zugeben, dass meine Schultermuskulatur alles andere als vorbereitet ist.

Wir bringen unsere Boards zurück ins Lager und Johanna, die „campeigene“ Fotografin macht noch ein Foto von Lani mit ihrem Board mit den „pinken Hawaiiblümchen“, bevor wir uns auf den Rückweg zum Surfcamp machen.

 

Kaffeeklatsch

Eine heiße Dusche später sitzen wir gemeinsam mit Johanna, Theis, Diogo, einer Kanne Kaffee und einer Tasse heißem Kakao in der Küche des Camps und erzählen. Lani malt währenddessen Bilder, die zukünftig den Kühlschrank bei Lapoint schmücken sollen, im Gegenzug verleiht Johanna ihr dafür eine Muschelkette. (Wer kennt den Film „Könige der Wellen“?)

Leider haben wir nicht mehr Zeit. Wer sich aber ernsthaft mit der faszinierenden Sportart auseinandersetzen möchte und dabei auf der Suche nach einem etwas besonderen Spot ist, der ist knapp 350 Kilometer nördlich von Bergen goldrichtig! Unglaublich nette Menschen haben wir hier kennengelernt – it was totally awesome with you guys. Thanks for having us! Hang loose, Lani, Malu, Annika & Martin!

Anmerkung: Natürlich ist das Surfcamp kein Campingplatz, sondern eher mit einer großen Wohngemeinschaft zu vergleichen. Wer einen Aufenthalt im Camp bucht, ist nicht nur Gast, sondern wird zum Teil der Gemeinschaft. Knapp 30 „Surferdudes und -duderinen“ (auf Lani-Deutsch) kann Lapoint in Hoddevik beherbergen. Erfahrene Surfer können einzelne Übernachtungen buchen, optional können Kurse in drei Leveln hinzugefügt werden. Benötigtes Equipment kann vor Ort geliehen werden. Und wenn einmal keine Wellen sind, so kann man immer noch Tauchen, Angeln, Wandern, mit dem Longboard die Straße bis zum Meer hinunter rollen. Langeweile wird in jedem Fall nicht auftreten – Ferien in Norwegen ganz aktiv.

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