Ferienhaus im Herzen von Südnorwegen

Ferienhaus im Herzen von Südnorwegen

Hoch oben in den Bergen

Von Fagernes brechen wir auf zu unserer vorletzten Etappe des diesjährigen #fjordlinefamilytrips. Getragen von den schönen Erlebnissen der vergangenen Tage im Valdrestal ziehen wir weiter in Richtung Westen. Neugierig auf das, was als nächstes auf uns wartet: ein sprichwörtlicher Tapetenwechsel, denn wir tauschen für eine Woche unsere rollende Herberge gegen ein Ferienhaus.

Es mag vielleicht unkonventionell erscheinen, wenn man mit dem Wohnmobil zu einem Ferienhaus fährt, jedoch stellt Letzteres eine ganz eigene und charmante Art dar, sich in Norwegen zu erholen. Wer einen Ferienhausurlaub in Norwegen plant, startet bereits zuhause in ein Abenteuer. Ganz gleich ob Norwegen-Neuling oder Alter Hase, die echte Herausforderung ist es neben dem passenden Domizil auch die Wahl zu treffen, in welche Region die persönliche Norwegen-Entdeckungsreise gehen soll. Und welche Aktivitäten der Aufenthalt bereit halten soll, denn abseits der Evergreens wie Angeln und Wandern, sind smarte Städtetrips oder eher Norwegen-Untypische Aktivitäten möglich, wie Surfen oder eine Tour mit SUP oder Kayak durch den Fjord. Falls die Witterung nicht nur Wasser von unten verspricht, gibt es in Norwegen etliche sehenswerte Museen, die definitiv einen Besuch wert sind.

Unsere Qual der Wahl fällt auf eine recht dünn besiedelte Region oben im Gebirge, die an der Landstraße 50, die eine populäre Verbindung zwischen Oslo nach Bergen darstellt, liegt. Etwa auf halber Strecke zwischen den beiden norwegischen Metropolen steht ein Ferienhaus von Novasol, dass für die kommenden Tage unsere Basis sein wird. Der Sommer hat langsam aber sicher auch die höhergelegenen Regionen in Norwegens erobert.

Auf unsere Strecke geht es kontinuierlich nach oben, keine extremen Steigungen aber dennoch durchlaufen wir unterschiedliche Vegetationen und auch die Temperaturunterschiede sind spürbar.

Wir verlassen die Fylke Oppland und tauchen ein in die Region Buskerud. Kurz vor dem Ort „Gol“ fahren wir über eine Serpentinenstraße wieder hinab ins Tal, um von hier aus dem Fluss Hallingdalselva zu folgen. Es ist Wochenende und viele Familien sind zum Baden, Picknicken und Grillen ans Ufer gekommen. Das Wasser rinnt über glatte Felsen und sieht herrlich erfrischend und einladend aus.

Unser Ferienhaus von Novasol

Bis zu unserem Domizil von Novasol klettern wie allerdings wieder einige Meter hoch in die Berge. Rings um uns tauchen nach und nach die schneebedeckten Gipfel wieder auf. Unser Ferienhaus liegt am Ufer des großen Stausees Strandavatnet in der Gemeinde Hol auf circa 1000 Meter.

Am Ferienhaus werden wir herzlich von Knut und Karin in Empfang genommen, die uns durch ihr komfortables Chalet führen und alle Details erklären. Im Wohnzimmer erobern die beiden jüngsten Mitglieder unserer Reisegruppe die Schaukelsessel mit Blick auf die Bergkette am Horizont, während wir Großen uns unterhalten und zwischendurch diese unfassbar schöne Aussicht kaum fassen können.

 

Huskyfarm in Geilo

Der nächste Tag hält das erste aufregende Erlebnis für uns bereit: wir besuchen die „Geilo Huskyfarm“. Ein paar Kilometer hinter dem Wintersportort Geilo treffen wir Vetle und seine Hunde auf der Farm. Von der klassischen Schlittenhundetour ist das Wetter diametral entfernt: bei strahlendem Sonnenschein und über 30°C ist weit und breit kein Schnee mehr zu sehen. Was macht man dann im Sommer mit Schlittenhunden? Richtig: Wandern! Unsere eigentlich geplante Tour verwerfen wir allerdings auch recht schnell, denn die hochsommerlichen Temperaturen machen es den pelzigen Mitgliedern im Team umso schwieriger. Im Gegensatz zu uns werden sie ihr Wintermäntelchen nicht so einfach los… Aber Vetle hat bereits eine Alternative parat: fünf kleine Huskywelpen übernehmen das Entertainment und statt kollektiv zu schwitzen, spielen wir lieber mit den herumtollenden kleinen Hunden und frönen frischen Waffeln mit Erdbeermarmelade und Karamellkäse. Nach einigen Stunden sind sowohl kleine Hunde als auch kleine Menschen müde. Wir verlassen die Farm und wollen auf jeden Fall eines Tages im Winter noch einmal zurückkehren. Dann aber zum Schlittenfahren.

Huskyfarm in Geilo
Huskyfarm in Geilo

In den folgenden Tagen unternehmen wir kleinere Wanderungen in der näheren Umgebung des Ferienhauses, üben Steine flippern am Seeufer, die Kids spielen an kleinen Schmelzwasserbächlein, wir backen Kuchen, tanken Sonne auf der Terrasse, während wir die Aussicht auf den 35 kilometer langen, schneebedeckten Bergkamm „Hallingskarvet“, dessen Kulisse sich hinter dem See aufbaut, mit einem heißen Kaffee in der Hand genießen.

Nach unseren Wochen auf Achse fühlt sich das Leben im Ferienhaus sehr nobel an. Der Raum und die Dinge die im Alltag selbstverständlich sind, weiß man nach der Zeit im Wohnmobil plötzlich wieder viel mehr zu schätzen. Und so bedeutet dieser Urlaub im Ferienhaus für uns um noch eine entspannende Facette reicher zu sein, als er nicht eh schon ist.

Ein ganz besonderer Ausfug

Bevor das Ende unseres Aufenthaltes naht, unternehmen wir noch einen ganz besonderen Ausflug runter an den Sognefjord. Die Fahrt bis nach Aurland, runter ans Wasser dauert nur circa 45 Minuten. Der Ort liegt nur unweit des eben so kleinen, aber doch weitaus bekannteren bekannten Örtchens Flåm. Denn von dessen Bahnhof aus fährt mehrmals täglich die berühmte Flåmsbana auf einer einmalig schönen Strecke nach oben ins Gebirge. Auch kann man hier an Bord eines der Ausflugsschiffe gehen, um eine Rundfahrt auf dem Fjord zu machen. Wenn man als Ziel Gudvangen ansteuert, so fährt man durch den Nærøyfjord, der zurecht ein Teil des UNESCO Weltkulturerbe ist und als der spektakulärste Zipfel des Sognefjords gilt. Die Felswände ragen steil empor und an seiner schmalsten Stelle ist der Fjord nur 250 Meter breit. In Gudvangen befindet sich seit Sommer 2018 ein neueröffnetes Freilichtmuseum Njardarheimr“ oder Viking Valley, wo man sich einen einmaligen Eindruck vom Leben der Wikinger verschaffen kann – ein Spaß für die ganze Familie. Insidertipp: Mittlerweile ist es sogar möglich lautlos und emissionsfrei über den Fjord zu gleiten, fährt man mit einer der beiden Elektrofähren Vision und Future of the Fjords. Wem das noch nicht reicht, der hat die Möglichkeit von Aurland nach Lærdal durch den längsten Straßentunnel der Welt (mautfrei) zu fahren. Highlights, im wahrsten Sinne des Wortes, sind auf der 24,5 Kilometer langen Strecke durch das Bergmassiv, die drei farbig beleuchteten Lichthallen, die den Tunnel in vier Abschnitte unterteilen. Ein kurzer Stopp in einer der sogenannten „Hallen“ ist dank der Illumination und der Geräuschkulisse der vorbeifahrenden Fahrzeuge zwar ein recht lautes, aber beeindruckendes Erlebnis für sich. Auf der anderen Seite des Tunnels liegt das für seine alte und idyllische Stadtmitte bekannte Lærdalsøyri. Für große und kleine Kinder von 2-99 Jahren können wir einen ausgiebigen Stopp auf dem Campingplatz angeschlossenen Abenteuerspielplatz „Motorikparken“ wirklich nur empfehlen. Von hier aus ist es auch nicht mehr weit bis zur Stabkirche von Borgund.

Der Aussichtspunkt „Stegastein“
Der Aussichtspunkt „Stegastein“

Wir entscheiden uns auf unserem Rückweg über die frühere Pass-Straße Snøvegen zu fahren. Diese Strecke gehört zu einer der 18 norwegischen Landschaftsrouten.

Diese nur im Sommer passierbare Strecke über den Aurlandsfjellet war die einzige Verbindungs bevor es den Tunnel gab. Die Strecke führt auf ein Hochplateau auf etwa 1300 m ü.d.M, so dass es nicht ausgeschlossen ist oben im Sommer eine kleine Schneeballschlacht machen zu können. Kurz vor dem Ende der Schneestraße liegt der Aussichtspunkt „Stegastein“, den man von der einen oder anderen Postkarte kennt. Ob die Aussicht oder der Spot an sich hierbei bemerkenswerter ist, bleibt dem Besucher selbst überlassen. Wir können einen Besuch in den Abendstunden anregen, denn dann hat man den Holzsteg vielleicht in einer einzigartigen Lichtstimmung für sich alleine. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen oberhalb des Sognefjord, bevor wir in der Dämmerung der Nacht, den Rückweg zu unserem Urlaubsdomizil zurück legen. Zu dieser Jahreszeit wird es auch hier in der Mitte von Norwegen nicht mehr richtig dunkel.

Die Zeit verging wie im Fluge, als wir die Schlüssel des Ferienhauses den Besitzern überreichen, bricht für uns die letzte Norwegen Etappe an, bevor wir an Bord der Fähre, den Weg in Richtung zuhause antreten müssen.

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