Hakallegarden – der etwas andere Erlebnisbauernhof!

Hakallegarden – der etwas andere Erlebnisbauernhof!

Unbedingt sollen wir hier her fahren, haben uns die Damen von der Touristeninfo in Ålesund gesagt. Und nun stehen wir hier, mitten im Nirgendwo. Beschaulich und ruhig ist es und ein bisschen erinnert es uns an die Lofoten. Aber wir befinden uns „nur“ zwischen Ålesund und Bergen, Luftlinie keine 10 Kilometer vom Westkap entfernt.

Vor uns liegt ein Bauernhof. Klein ist er nicht, dafür bunt. Das einzige Problem ist, dass auf einem riesigen Schild steht, dass der „Hakallegarden“ außerhalb der Ferien nur an Wochenden geöffnet hat und es gerade Dienstag und zwei Wochen vor Ferienbeginn ist.

 

„Villa Kunterbunt“?

Obwohl es bereits 21:30 Uhr ist, läuft jemand über den Hof. Annika entscheidet sich trotz der negativ prognostizierten Öffnungszeiten, nachzufragen. Kurze Zeit später steht sie bei Aina im Hühnerstall, die gerade am Telefonieren ist, während sie in Latzhose und Gummistiefeln den Boden mit türkiser Farbe streicht – die Hühner wackeln frei herum und haben deshalb ebenfalls türkise Farbe an den Füßen.

Noch bevor Annika erklären kann, was wir machen und wer wir sind, werden wir von norwegischer und offenherziger Gastfreundschaft überrumpelt und dürfen den neu angelegten und hofeigenen Wohnmobilstellplatz unten am Meer einweihen. Welch eine Ehre! Darüber hinaus komme am folgenden Tag eine Schulklasse zu Besuch und wir sind herzlich eingeladen, uns darunter zu mischen. WOW!

Ein geschotterter Weg führt an der Seite des Hofs zum Meer hinunter. Vor dem „Hakalle Strandhus“ haben Aina und Olav gemeinsam mit ihrem Team nur wenige Tage zuvor einen traumhaften und idyllischen Stellplatz geschaffen, auf dem zukünftig Besucher mit dem Camper gastieren können. Unser Wohnmobil parken wir in einer kleinen Nische zwischen zwei Bäumen, während wir von der Weide aus von Alpakas, Eseln, Pferden und Kühen beäugt werden. Hinter dem Strandhaus wartet eine kleine Überraschung auf uns, denn einen Sandstrand hätten wir hier beim besten Willen nicht auch noch erwartet!

 

Eselnachtwanderung

Ich sitze noch bis spät in die Nacht am Computer als plötzlich zwei Schatten vor dem Fenster vorbeihuschen. Recht ungläubig stelle ich fest, dass sich offenbar zwei Esel für einen späten Ausflug entschieden haben. Sie tollen mit gebührendem Abstand um unser Wohnmobil herum, um dann erst an den Strand und dann wieder den Hügel zum Hof hinauf zu galoppieren.

Am nächsten Morgen kann es Lani kaum aushalten: Mit Müh’ und Not verdrückt sie hastig ein Marmeladenbrötchen und ist bereit, die Tiere zu treffen.

Lani und ein Kätzchen auf dem Hakallegarden

(K)ein Pferd auf dem Flur

Ob es für die Kinder oder für die Tiere das größere Paradies ist, bleibt ungewiss: Der eine oder andere Mund bleibt offen, als ein Alpaka wieder aus dem Wohnhaus der Familie kommt, während drei Ferkel ÜBER das Trampolin hopsen, anstatt den Weg außen herum zu suchen. Zottelige Rinder stehen einträchtig mit Ponys, Pferden, Schafen, Ziegen und Alpakas auf der Weide, während Mama Wutz die Ruhe des „Einzimmerappartements“ genießt.
Wären da nur nicht die Nachbarn: Lautstark markieren zwei Pfaue ihr Revier, während nebenan der Esel ein paar Blümchen aus der Deko nascht. Der Berner Sennenhund wacht über allem (oder lässt sich der Reihe nach von allen Besuchern kraulen). Malu flitzt andauernd fasziniert zum Hahn und bestaunt dessen anmutiges Herumstolzieren.

Es ist toll hier – alles ist liebevoll und individuell dekoriert und trotzdem hat man nicht das Gefühl, in einem Museum oder Einrichtungshaus gelandet zu sein. Nichts ist perfekt, aber alles ist echt. Und das macht es charmant.

Tiere auf dem Hakallegarden

„Marit und die Tiere“

Marit ist die Tochter von Aina und Olav und hat das Glück, in diesem Kindertraum aufwachsen zu dürfen. Sogar ein norwegischer Fernsehsender fand das Projekt der Familie so spannend, dass eine achtteilige Doku für Kinder über Marit und Ihr Leben mit den Tieren gedreht wurde (NRK: „Marit og dyren“).

Starallüren sucht man hier dennoch vergebens – der vielleicht einzige „Star“ auf dem Hof ist der betagte silberne Traktor, der mit johlenden kleinen und großen Kindern auf der Ladefläche des Anhängers knatternd Runden über das Gehöft dreht.

 

Ein-Richtungs-Haus-Galerie-Café?

In ihrem kleinen Hofladen verkauft Aina eine Unzahl von schönen und teilweise handgemachten Dingen. Zwischen dänischem Melaningeschirr und handgefilzten Pantoffeln trifft man noch auf den sprechenden Papagei „Jacob“, der aufpasst, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Der selbstgebackene Blaubeerkuchen strotzt nur so vor Beeren, es gibt große Variationen an Eis und eine ebenso vielseitige Auswahl an Getränken. Bei schlechtem Wetter kann man sich in einer der Sitzgruppen auf dem alten Heuboden mit teilverglastem Boden (mit Blick in die Reit-Scheune hinunter) niederlassen, die jede für sich eine andere Interpretation von Stilbruch ist. Überall hängen Gemälde von Aina und alles trägt nicht nur ihre Handschrift – sie ist es auch. Währenddessen können die Kinder in der ebenso süß gestalteten Spielecke malen, basteln und toben. Bei schönem Wetter spielt sich jedoch alles unter freiem Himmel und auf dem Hof ab.

Hakallegarden ist bunt, verrückt, kreativ, charmant, herzlich und immer ein bisschen anders, als man es vielleicht kennt oder erwartet. In jedem Fall ein außergewöhnliches und tolles Erlebnis und wir sind froh, hier gewesen zu sein.

Lani beschließt den Tag mit den Worten: „Das war einer der schönsten Tage, in meinem Leben!“ Ein solches Erlebnis macht Ferien in Norwegen einfach aus.

Spielen überall erlaubt! – Hakallegarden
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