Fagernes Camping

Fagernes Camping

Die Empfehlung für diesen Campingplatz haben wir im vergangenen Jahr auf dem Campingplatz in Kinsarvik erhalten. Freunde von uns, hatten uns den Platz als „vermutlich besten Campingplatz für Familien in ganz Norwegen“ angepriesen. Sie selbst fahren bereits seit vielen Jahren immer wieder mit ihren drei Kindern dort hin. Auf unsere Anfrage, ob wir auf unserem #fjordlinefamilytrip bei Ihnen stoppen dürfen, bekommen wir die wohl prompteste, kürzeste und gleichzeitig herzlichste Rückmeldung von der Geschäftsführerin Kaja: „You are more than welcome in Fagernes Camping!“. Valdres, du scheinst etwas wirklich besonderes zu sein.

Wir hatten es bereits geahnt, dass wir uns mit Eli verquatschen würden. Folglich werden wir erst später am Abend in Fagernes eintreffen und haben so bereits am Nachmittag kurz Bescheid gegegeben.

Unsere Ankunft in Fagernes Camping

Bei unserer Ankunft hat die Rezeption des Campingplatzes schon längst geschlossen aber irgendwas sagt uns, dass wir trotzdem mal an der Eingangstüre des kleinen Holzhäuschens schauen sollten. Und richtig: Dort liegt tatsächlich ein Umschlag mit unserem Namen für uns bereit! Auf einer kleinen Karte vom Campingplatz sind handschriftlich alle wichtigen Dinge markiert und liebevoll mit kleinen Hinweisen versehen. Wir sind von der unkomplizierten Leichtigkeit und Herzlichkeit überrascht.

Am darauffolgenden Morgen besuchen wir Kaja an der Rezeption ihres Campingplatzes, die gleichzeitig eine kleine Cafeteria mit Veranda ist. Sie nimmt sich Zeit für ein Kennenlernen. Wir verabreden uns für einen ausgiebigeren Plausch am Nachmittag, denn die „Nachbarn“ warten bereits auf uns…

Wir erkunden den Campingplatz und das Valdres Folkemuseum

Der Campingplatz teilt sich die Landzunge „Storøya“ im See „Strandefjorden“ zusammen mit dem Freilichtmuseum „Valdres Folkemuseum“.

Im Eingangsbereich des Museums werden wir bereits von Mari erwartet. Sie trägt eine Bunad, die traditionelle norwegische Tracht, die je nach Region anders aussieht.

Wir hatten uns vorab mit ihr zu einer Tour durch das größte Freilichtmuseum des Landes verabredet. Neben einem Rundgang über das Gelände mit seinen rund 100 verschiedenen Gebäuden, erwartet uns an diesem Tag auch die Gelegenheit, einen traditionellen Tanz zu lernen und Livemusik lauschen zu dürfen. Darüberhinaus besteht die Möglichkeit ein traditionelles, norwegisches Gericht auf offenem Feuer selbst zuzubereiten – wir sind gespannt.

Bei herrlichem Sonnenschein laufen wir eilig über das Gelände. Zielsicher steuern wir mit unserer Begleiterin Mari auf ein altes Bauernhaus zu. Musik klingt aus der geöffneten Türe und wir sind von der Sonne so geblendet. Unsere Augen gewöhnen sich erst langsam an das schummerige Licht, das durch die kleinen Bleiglasfenster ins Innere des Hauses fällt.

An einem kleinen Tisch sitzt Ole – er trägt ebenfalls eine Bunad. Vor ihm liegt ein rechteckiger Holzkasten auf dem mehrere Saiten gespannt sind. Er begrüßt uns zusammen mit Anne Marit und spricht anschließend bedächtig mit den Kindern (während wir für sie übersetzen). Seine ruhige Art bricht bei Lani in windeseile das Eis, während Malu sich schüchtern hinter uns versteckt. Neben der Langeleik, so nennt sich das traditionelle Instrument, auf dem Ole spielt, steht ein kleines Holz-Pferd. Ähnlich einer kleinen Marionette tanzt das Pferdchen über einen dünnen Faden, den Ole an seinen Finger gebunden hat zum Rythmus der Musik auf und ab.

Er fragt Lani nach einem Namen für das Pferd, welches fortan den ganzen Sommer so heißen soll, wie sie es aussucht. Auch wir dürfen probieren diesem Instrument eine Melodie zu entlocken, bevor wir unsere erste eigene Unterrichtsstunde im regional typischen Folkloretanz erfahren dürfen.

Tanzen wie die Norweger

Mit einer sogenannten „Hardangerfiedel“ stimmt Mari ein Lied zum Tanzen für Anne Marit und Ole an. Sie führen uns den traditionellen Halling(dans) vor, der ursprünglich nur von Männern getanzt wurde. Es tanzen mehrere Menschen zusammen im Kreis und drehen sich um ihre eigene Achse. Erweitert wird dieser Bewegungsablauf von einzelnen Figuren, wie zum Beispiel in der Hocke gehen und hüpfen wie ein Frosch, oder mit einem Sprung das Bein in die Luft reißen. So hatte man früher versuchen müssen, seinen auf einer Stange thronenden Hut mit dem Fuss herunter zu kicken.

Schon nach ein paar Runden kommen wir ziemlich ins Schwitzen, denn es ist definitiv anstrengender als es aussieht. Unsere Tanzlehrer Anne Marit und Ole haben auch etwas erschwerte Bedingungen, da ihre Tracht aus einer Art Lodenstoff besteht.

Traditioneller Halling(dans) im Valdres Folkemuseum – Norwegen

Als uns die beiden fragen, ob wir denn schon hungrig seien und Mari ihre Fiedel wieder sicher im Koffer verstaut hat, dämmert uns allmählich, dass sie all das nicht an jedem letzten Freitag im Monat für alle Besucher zu machen scheinen, sondern es etwas ganz besonderes nur für uns ist.

Lecker Pfannekuchen

Aus dem nächsten Haus zieht bereits ein herrlicher Duft über das Museumsgelände. Im Innern des Bauernhauses steht Ingrid am Feuer und backt traditionelle norwegische Pfannekuchen. Der Tisch ist mit frischen Erdbeeren, Rømmegrøt, Kaffee und selbstgemachter Erdbeerlimonade zu einer festlichen Tafel gedeckt. Wir backen und reden und backen und reden. Es ist eine harmonische und ungezwungene Atmosphäre und wir sitzen beisammen und unterhalten uns über weltbewegende und ganz persönliche Dinge und genießen die süßen Pfannekuchen. Auf dem Weg zurück zum Eingang dürfen die Mädels noch eine Runde in der Scheune vom Heuboden ins Heu hinunter springen und auf Holzstelzen laufen, ehe wir uns herzlich von unseren „Tourguides“ verabschieden.

Am Nachmittag sind wir mit Kaja, der Chefin des Campingplatzes verabredet. Sie läd die Kinder auf ein Eis ein, während sie uns für den nächsten Tag vorschlägt eine gemeinsame Wanderung auf den Kviteberg zu machen.

Sie hat vormittags frei und würde uns gerne auf den Hausberg oberhalb der Landzunge begleiten. Das Ziel der Wanderung können wir von der Rezeption aus sehen. Es thront ein weißer Holzpavillion am Hang, der eine schöne Aussicht auf den See und die umliegenden Berge verspricht.

Wir lassen den Tag ruhig gemütlich ausklingen, während die Kids sich auf dem neuangelegten und großzügig gestalteten Spielplatz austoben oder den Modellflugzeugen zuschauen, wie sie ihre Runden über unseren Köpfen drehen.

Speilplatz auf Fagernes Camping

 

Beste Aussichten

Der nächste Morgen verspricht die sommerlichen Temperaturen der letzten Tage noch einmal übertrumpfen zu wollen. Mit Kindertrage, ausreichendem Wasservorrat, Wanderschuhen und einem kleinen Proviant machen wir uns auf, zum verabredeten Treffpunkt. Für unsere heutige Tourenbegleitung ist die etwa drei Kilometer lange Strecke ein Kinderspiel. Denn Kaja rennt mindestens einmal in der Woche auf den Kviteberg. Mit uns im Schlepptau wird sie heute sicherlich keinen neuen Rekord aufstellen.
Steil führt der schmale Weg durch schattigen Wald den Hang hinauf. Für eine sichere Besteigung sollten Kinder ein Alter von etwa fünf Jahren erreicht haben. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch erreichen wir den Pavillon auf einem kleinen Plateau. Die Anstrengung hat sich in jedem Fall gelohnt. Lani trägt sich stolz im Gipfelbuch ein, ehe Kaja die beim Start angekündigte Überraschung aus ihrem Rucksack hervor zaubert. Typisch norwegisch gibt es am Ziel ein „Kvik Lunsj“ (vergleichbar mit „Kit-Kat“) für die Kinder, die sich sichtlich über die Schokoladenwaffeln freuen.

Einmalige Aussicht – Fagernes Camping

Sie erzählt uns, dass ihr Schwiegervater Schreiner ist und vor vielen Jahren den weißen Holzpavillion hier oben gebaut hat. Er und seine Frau kamen aus Holland nach Fagernes und eröffneten den Campingplatz. Heute hat die nächste Generation gemeinsam den Platz im Herzen Südnorwegens und etwa der Mitte zwischen Oslo und Bergen in der Hand. Der 4-Sterne Platz hat das ganze Jahr geöffnet und bietet neben Zelt- und Stellplätzen für Camper auch einige Hütten zur Miete an. Diesen Sommer wurde ein neu angelegter Bereich eröffnet, neben dem es auch ein neue 5-Sterne-Sanitäranlage mit geräumiger Küche, Badezimmern, Waschmaschinen und einem Kinderbad gibt.

Direkt am Seeufer gelegen bieten sich hier Urlaubern neben endlosen Wanderungen auch allerhand Möglichkeiten für Aktivitäten am, im und auf dem Wasser. Viele Wasserspielgeräte in Ufernähe laden im Sommer dazu ein, sich abzukühlen.

Shoppingtour mit dem Tretboot

Wir müssen einkaufen. Den Supermarkt könnte man fast vom Campingplatz aus sehen – einzig liegt dazwischen der See. Kaja hat uns auf der Wanderung angeboten, dass wir uns gerne eines der Tretboote ausleihen dürfen. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen vereinen? Gesagt getan: Schiff Ahoi mit Kurs auf „Kiwi“ (norwegischer Supermarkt). Mit einem Tretboot sind wir tatsächlich noch nie Einkaufen gefahren.

Die Kids machen es sich auf den vorderen Stühlen bequem und amüsieren sich köstlich, während die hintere Reihe das Boot vorwärts strampelt. Zumindest wird man in einer gewissen Weise angefeuert. „Mama, Papa: SCHNELLER!“

Mit dem Tretboot zum Einkaufen – Fagernes Camping

Da den Hobbyskippern die Anlegemöglichkeiten am Supermarkt nicht vollständig klar sind, entscheiden wir uns für einen Liegeplatz am Ufer einer kleinen Insel, von der aus man über eine Brücke das Festland erreicht. Zum Supermarkt sind es nur noch wenige Meter.

Während einer von uns die nötigen Besorgungen fürs Abendessen erledigt, war der eigentliche Plan der Kinder den großen Spielplatz zu erobern. Doch der Uferbereich ist bereits spannend genug – Schuhe aus: Es folgt eine kleine Kneippkur im Flachwasser.

Mit den Einkäufen beladen legt unser „Ausflugsdampfer“ kurze Zeit später wieder ab. Fun Fact: Am Anlieger des Campingplatzes taucht plötzlich die Frage auf, wo denn eigentlich die Schuhe der Kids sind. Selbstverständlich sind sie dort, wo man sie ausgezogen hat: natürlich am jetzt gegenüberliegenden Ufer…

Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter. Die Empfehlung hierher zu kommen, war ein toller Tipp. Gerne werden wir eines Tages zurückkehren und dann auch ein Weilchen länger bleiben.

Die entspannte Atmosphere im gesamten Valdrestal, sowie die Menschen, die uns hier mit solch einer Offenheit und Herzlichkeit begegnet sind, hat unsere Herzen getroffen.

 

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