Bergen – das Tor zur Welt der Fjorde

Bergen – das Tor zur Welt der Fjorde

Auf dem Weg nach Bergen zieht es uns noch einmal zu den Fjorden: der Wetterbericht verheißt gutes Wetter für die Region am Hardangerfjord! Denn eines steht noch auf unserer Liste, aber eigentlich nicht auf unserer Route: Der Steindalsfossen als besonderer Wasserfall, da man trockenen Fußes unter diesem hindurchlaufen kann. Bevor wir ins Stadtleben von Bergen eintauchen, genießen wir einen kurzen mittäglichen Ausflug ins Landesinnere zum Wasserfall.

Knapp 75 Kilometer sind es nur von hier aus bis zum Stadtzentrum von Bergen – die Strecke bewältigt Oscar in etwas mehr als einer Stunde. Wir genießen den Ausflug und ein paar sonnige Momente unter dem tosenden Wasserfall, bevor wir zu unserer letzten großen Mission wieder in Richtung Stadt aufbrechen.

Der Wasserfall: Steindalsvossen

Wie wird das Wetter in Bergen?

Es sei dahingestellt, ob es fundierte Platzierungen im internationalen Ranking gibt oder nicht, aber Bergen gilt nach wie vor als die regenreichste Stadt Norwegens. Dass es auch anders geht, wissen wir, da wir hier auch schon einmal 30°C und Sonnenschein genießen durften.

Dass man aber auch dem Wetterbericht nicht trauen sollte, haben wir ebenfalls schon mehrfach erlebt: Der Blick nach oben gibt Auskunft über die aktuelle Wetterlage und der Blick gen Horizont über das, was in der nächsten Viertelstunde passieren könnte. Alles darüberhinaus scheinen waghalsige Vermutungen zu sein.

Einem Witz zufolge erkennt man die Touristen in Bergen daran, dass sie keinen Regenschirm dabei haben. Doch die Einwohner haben sich auch das zur Tugend gemacht und so kann man in nahezu jedem Laden eben Regenschirme und Wetterschutzbekleidung jeder Art kaufen.

Aber wenn man ehrlich ist, eilt der Stadt ihr feuchtes Image voraus und gutes Wetter darf man eigentlich nicht erwarten. Regen gehört zu Bergen wie der Fischmarkt und die bunten Häuser der alten Landungsbrücke „Bryggen“. Umso mehr sollte man sich freuen, wenn man doch einen der Sonnentage in Norwegens zweitgrößter Stadt erleben darf.

 

In Bergen mit dem Wohnmobil

Wir rollen auf das Gelände der „Bergenshallen“, eine alte Eissporthalle, deren Parkplatz man über die Sommermonate zum Stellplatz für insgesamt 28 Wohnmobile umfunktioniert hat. Da es der einzige Parkplatz für Wohnmobile in der ganzen Stadt ist und der nächste Campingplatz knapp 30 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt, herrscht hier meist großer Andrang.

Norwegisch unkomplizierte erfolgt die Bezahlung am Parkscheinautomat per Kreditkarte. Eine Handvoll Stromanschlüsse gibt es an der Gebäudefront, die ohne gesonderte Bezahlung benutzt werden können. Wer eine Mehrfachsteckdose dabei hat, der hat meist Strom und einen netten Draht zu den Nachbarn.
Der Stellplatz bietet von Mai bis August eine hervorragende Ausgangslage um von hier aus die Stadt zu erkunden. Direkt an der Halle befindet sich eine Ver- und Entsorgungsstation; aber auch ein Einkaufszentrum und die Haltestelle „Sletten“ der Bergener Stadtbahn ist in unmittelbarer Nähe! Von hier aus dauert es etwa 10 Minuten bis zur Endstation in der Bergener Innenstadt.

Es ist Wochenende als wir in Bergen ankommen und so sind bereits alle offiziellen und inoffiziellen Parkbuchten mit rollenden Heimen unterschiedlicher Größe und diverser Nationalitäten belegt.
Wir warten eine Weile, bevor wir auf einen freigewordenen Platz umziehen können. Anschließend schlüpfen wir in unsere Regenklamotten und fahren mit der Linie 1 der „Bybanen“ (der Straßenbahn) den Hügel hinab bis zur Endstation Byparken.

 

Bergen erkunden

In der Innenstadt führt unser erster Weg durch die breite Fussgängerzone „Torgallmenningen“ zum Hafen. Neben dem Fischmarkt findet man hier auch die Touristeninformation, bei der man neben allerhand nützlichen Infos auch die sogenannte „Bergen Card“ erhalten kann.

Die Karte ist ein Fahrschein für nahezu alle öffentlichen Verkehrsmittel und wird mit drei verschiedenen Laufzeiten (24, 48 oder 72 Stunden) angeboten. Weiterhin erhält man aber auch etliche Vergünstigungen bei Museen und Attraktionen in und um Bergen.

Mit den Tickets in der Tasche starten wir zu unserem ersten Bummel durch das charmante Zentrum rund um das Hafenbecken. Wir schlendern unter den großen roten Marktschirmen hindurch und begutachten die verschiedenen Fische und (ehemaligen) Meeresbewohner. Lani weiß genau wo sie hin möchte und bleibt tief beeindruckt vor einem Becken mit großen Hummern und Krabben stehen. Ein Mitarbeiter fragt sie, ob sie einmal einen Hummer anfassen möchte und fischt ihr schon kurz darauf ein bläulich schimmerndes Exemplar heraus.

Nach dem kleinen Exkurs in Meeresbiologie folgt der obligatorische Besuch des ehemaligen Handelskontors Bryggen. Die bunten Speicherhäuser, mit ihren verwinkelten Gassen, Treppen und Geschäften sind bei Touristen aus aller Welt ein sehr beliebtes Fotomotiv. Wir nutzen die Gunst der Stunde und die Tatsache, dass an diesem Spätnachmittag kein großer Kreuzfahrtliner mehr im Hafen liegt und können so fast ungestört alles genau erkunden.

Hansekontor Bryggen, Bergen

Der nächste Tag bringt wenig Wetteränderung mit sich und so ist eine Entscheidung schnell getroffen. Wir fahren erneut mit der Bahn in die Stadt und zum Experimentier-Museum „Vilvite“. Nach Herzenslust dürfen hier die Kinder probieren, erfahren, erleben und verstehen. Wir versuchen uns im Simulator im gemeinsamen Steuern eines Schiffes, erleben was es heißt sein eigenes Gewicht mit Hilfe eines Flaschenzugs anzuheben und beobachten am Wellensimulator, wie Wellen im Querschnitt aussehen. Nachdem Lani sich als Wetterfrosch in einem Fernsehstudio versucht hat, beenden wir den Museumstag mit einem Film über Polarlichter in Norwegen, ehe wir uns noch mal gen Innenstadt aufmachen.

Experimentier-Museum Vilvite in Bergen

Fløyen – Bergen zu Füßen

Hier steht noch ein großer Punkt auf der Liste – der Hausberg Fløyen!

Mit der Standseilbahn Fløibanen überwinden wir in knapp 5 Minuten die etwas mehr als 300 Höhenmeter auf den Hausberg oberhalb der Stadt. Trotz der dicken Wolken können wir den Ausblick über Bergen mit seinen umliegenden Inseln genießen.

Blick vom Hausberg Fløyen in Bergen

Wäre das Wetter nicht ganz so unbeständig, hätten wir hier oben etliche Aktivitäten zur Auswahl gehabt, die in Summe ausreichen würden, um mehrere Tage mit Programm zu füllen.

Direkt auf der Rückseite der Bergstation befindet sich der wohl schönste Spielplatz der Stadt – mit Spielgeräten und Klettergerüsten für alle Altersklassen.

Für sportlichere Herausforderungen gibt es hier oben noch einen Hochseilpark, einen Mountainbikeverleih und einen kleinen See, über den man im Sommer (Skomakerdiket Lake – täglich von 11 bis 15 Uhr) kostenlos eine Runde mit dem Kanu paddeln kann. Der richtige Ort für die aktiven Ferien in Norwegen. Das Gebiet rund um den Fløyen lädt darüberhinaus natürlich auch zum spazieren gehen, walken oder wandern ein.

Da der Regen an diesem Tag nicht aufhören möchte, entscheiden wir uns für die baldige Talfahrt. In der vollverglasten Kabine gelangen wir wieder sicher und schnell nach unten. Dort angekommen, steuern wir hungrig aber zielsicher die Bäckerei „Baker Brun“ in Bryggen an, um kurz vor Ladenschluss noch eine der berühmten Zimtschnecken (Skillingsbolle) zu probieren. Leicht mit Zucker verschmiert machen wir uns auf den Rückweg zur Eissporthalle.

Museumsbesuch bei den Piguinen

Neuer Tag – neues Glück, aber kaum sind wir auf dem Weg in Richtung Innenstadt, fängt es – wer hätte es geahnt – erneut an zu regnen. Aber immerhin haben wir uns schon fast daran gewöhnt.

Gut gewappnet machen wir uns heute auf den Weg zum „Akvariet i Bergen“ – dem hiesigen meereskundlichen Museum auf der Halbinsel Nordnes im Hafen von Bergen. Von der Endstation aus laufen wir etwa 30 Minuten bis zum Eingang des Aquarium – hier gibt es dank der Bergen Card einen kleinen Rabatt.

Erst wenige Tage zuvor ist ein Pinguinbaby geschlüpft, welches wir uns natürlich nur zu gerne in Echt anschauen wollen.

Meereskundlichen Museum: Akvariet i Bergen

Neben Meeresewohnern aus allen Breitengraden der Welt, gibt es hier auch eine Vielzahl von Reptilien, Insekten und sogar Äffchen zu bestauen.

Wiedersehen mit Freunden

Nach unserer Rückkehr zu Oscar machen wir uns zur Abfahrt bereit um für die letzten 2 Tage auf die zu Bergen vorgelagerte Insel Askøy umzuziehen. Sie liegt direkt gegenüber des Hafens der Großstadt und hält für uns ein persönliches Highlight zum Ende unserer ersten Norwegenreise bereit.

Viel Natur, Felsen, bunte Holzhäuser soweit das Auge reicht und eine Familie die wir ein paar Wochen zuvor auf dem Campingplatz in Kinsarvik kennenlernen durften: Wir sind eingeladen, unsere letzten zwei Tage mit und bei ihnen zu verbringen. Die Freude bei allen Kindern ist riesig und so wird getobt, gespielt und gelacht bis spät in den Abend. Wir essen zusammen und danach fallen alle müde in die Betten.

Durch die Bergen Card sind sogar einige Fährverbindungen abgedeckt und so können wir – recht charmant – von Kleppestø aus direkt per Schnellboot in den Hafen von Bergen übersetzen oder besser „düsen“, denn keine elf Minuten braucht der Katamaran von einem Anleger zum Nächsten.

Eine andere Sicht auf Bryggen
Schnell unterwegs mit dem Speedboot

So können wir entspannt an unserem letzten kompletten Tag mit Norwegischem Festland unter den Füßen mit Bummeln und durch die Stadt flanieren verbringen.

 

Unser letzter Tag in Norwegen

Wir sind früh aufgestanden um uns von unseren Freunden zu verabschieden, bevor sie in den Kindergarten, zur Schule und zur Arbeit müssen. Dann brechen auch wir auf. Im Gepäck haben wir tolle Erinnerungen an Orte die wir entdecken durften und nette Menschen, die wir treffen durften und die meist gar nicht so verschlossen und unnahbar sind, wie man es Ihnen nachsagt.

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