Ålesund – Jugendstil am europäischen Nordmeer

Ålesund – Jugendstil am europäischen Nordmeer

Mit Åndalsnes haben wir nach dem Geirangerfjord das sechste und letzte große Fjordsystem erreicht: den Romsdalsfjorden. Leider haben wir ein wenig Zeitdruck und müssen unsere Route geringfügig abkürzen.

 

Eine der schönsten Autorouten Europas: der Atlanterhavsveien

Wer ab hier allerdings weiter gen Norden fährt, dem empfehlen wir einen Besuch des Atlanterhavsvegen (Deutsch: Atlantikstraße): zwischen Molde und Kristiansund verläuft die 8.274 Meter lange Route mittels acht Brücken über eine Reihe kleiner Inseln. Sie zählt mit zu den schönsten Autorouten in ganz Europa.

Für Mutige ist ein Besuch bei (wirklich) schlechtem Wetter wohl die beste Option, denn auch genau bei solchem Wetter wurden hier die meisten Werbespots diverser Autohersteller gedreht, um die Stärke und Ausdauer ihrer Fahrzeuge zu visualisieren. Erst wenn die Wellen über die Fahrbahn schlagen wird klar, dass die Route tatsächlich inmitten des Atlantiks verläuft. Allen anderen wünschen wir tolles Wetter oder gar einen Sonnenuntergang, denn diese sind – sofern man das Glück hat – glutrot und besonders schön. In jedem Fall ist die Route auf dem Weg nach Norden ein Besuch wert. Auf der Insel Lyngholmen wartet ein Informationszentrum mit Café auf Besucher – gerne kann man sich hier noch näher über die Geschichte und den Bau der Route bilden oder aber für die Weiterfahrt stärken.

Altantikstraße, Foto: Jacek Różycki/Visitnorway.com

Kurs Süd-West!

Wir müssen allerdings unseren Kurs erstmals gen Südwesten korrigieren: Mit Åndalsnes lassen wir den nördlichsten Punkt der Reise hinter uns. Alles was folgt, liegt wieder weiter im Süden. Doch auf unser nächstes Ziel freuen wir uns ganz besonders: Ålesund!

Jugendstil-Stadt Ålesund, Norwegen

Durch einen Großbrand im Jahr 1904 wurden weite Teile der Stadt komplett zerstört. Für den Wiederaufbau wurde ein Komitee aus internationalen Architekten angeheuert, die sich gemeinsam mit den Stadtvätern auf den Jugendstil als Baustil einigten. Heutzutage erstrahlt Ålesund, das sich über mehrere kleine Inseln verteilt, in einem Glanz und Charme, wie es uns keine andere Stadt in Norwegen bisweilen angetan hat.

Ein besonderes Aquarium

Bei herrlichem Sonnenschein empfängt uns Ålesund. Da wir die letzten Tage recht viel gefahren sind, gönnen wir uns und vornehmlich den Kindern mit dem Besuch des „Atlanterhavsparken“ ein Kontrastprogramm.

Neben dem beeindruckenden großen Becken, dass mit ungefiltertem Meereswasser gefüllt ist, um möglich realitätsnah einen Eindruck von der Artenvielfalt vor der eigenen Haustüre zu demonstrieren, kann man exotische Fische und spektakuläre Kreaturen der Tiefsee bewundern.

Darüber hinaus gibt es einen Außenbereich mit Seelöwen, Ottern und sogar Pinguinen. Die Forscher-Werkstatt und der riesige Wasserspielplatz runden das Erlebnis für die Kinder ab, wobei sich uns als Eltern nun erklärt, warum uns beim Betreten des Aquariums fast alle Kinder barfuß und teilweise auch ohne Hosen entgegen kamen …

Auch Pinguine gibt es im Atlanterhavsparken

Bobilparkering

Obwohl wir unseren Kleiderschrank sogar mit dabeihaben, kommen alle wieder trockenen Fußes am Wohnmobil an. Wer mit einem solchen unterwegs ist, hat nicht viele Optionen für einen Parkplatz. Aber die einzige ist tatsächlich auch eine sehr gute: Unweit des Hafens und direkt an der Außenmole befindet sich ein Parkplatz für Wohnmobile, der allerdings auch als Stellplatz genutzt werden darf.

Die Bezahlung erfolgt unkompliziert per Automat und Parkschein, Toiletten sind in einem Sanitärgebäude untergebracht, in dem es sogar Duschen gibt, deren Benutzung im Parkticket bereits enthalten ist. Und so benötigt man maximal 10 Minuten vom eigenen Wohnmobil bis zum Hafen und der Innenstadt.

Tschooo-Tschooo

Da wir uns am nächsten Tag vor lauter tollen Dingen die es zu unternehmen gilt nicht entscheiden können, was wir machen sollen, geben wir die Entscheidung vertrauensvoll in die Hände von Lani ab. Sie weiß, was sie in jedem Fall machen möchte: Eine Stadtrundfahrt mit der kleinen blauen „Bimmelbahn“.
Gesagt – getan: Und schon sitzen wir kurze Zeit später zu viert im vordersten Abteil des ersten „Waggons“ und schauen aus dem Fenster. Lani ist derweil zur Expertin für Audioguides geworden und ehe wir uns versehen setzt sie sich den Hörer auf den Kopf und lauscht dem Erzähler. Die Fahrt führt zunächst auf den Hausberg Aksla“, von dem aus man eine uneingeschränkte Sicht über die Stadt und weite Teile des Umlandes hat. Weiterhin präsentiert sich das Wetter von seiner Schokoladenseite.

Die Rundfahrt wird durch die Innenstadt und Altstadt fortgesetzt. Neuralgische Stellen werden freundlich von der Stimme aus den Kopfhörern kommentiert.

Ålesund

 

Romantische Abendstimmung

Nach etwa zwei Stunden stehen wir wieder im Hafen und neben einem großen Kreuzfahrtschiff. Von da aus schlendern wir noch eine weitere Runde durch die Altstadt und zum Leuchtturm auf der Mole der Hafeneinfahrt.
Das Fischereimuseum hat leider geschlossen und so begeben wir uns auf den Rückweg zu Oscar. Inzwischen ist es auch bereits 18:00 Uhr und so verbringen wir den Abend und nach dem Essen damit, auf der Mole zu sitzen, den leisen Wellen zu lauschen und der Sonne zuzuschauen, wie sie hinter einer der vorgelagerten Inseln im Meer versinkt.

Einfach mal Pause machen in Ålesund

Am dritten Tag ist wieder alles beim Alten: es regnet, aber zum Glück müssen wir auch schon wieder weiterfahren.

Ein Geheimtipp!

Bei einem letzten Besuch in der Touristeninformation erhalten wir noch einen Tipp, der besonders Lani und Malu freuen würde – vielleicht schaffen wir es ja, unsere Route und das Timing noch ein bisschen zu verschieben …

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